Druckschrift 
1 (1815)
Entstehung
Seite
154
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Unterdessen schleichet auf dem Gange,Häuslich spät die Mutter noch vvrbey,Horchet an der Thur und horchet lange.Welch ein sonderbarer Ton es sep.

Klag- und WonnelautBräutigams und Braut,

Und des Liebestammelns Raserey.

Unbeweglich bleibt sie an der Thüre,

Weil sie erst sich überzeugen muß,

Und sie hört die höchste» Liebesschwüre,

Lieb' und Schmeichelwvrte, mit VerdrußStill! der Hahn erwacht!

Aber morgen Nacht

Bist du wieder da? und Kuß auf Kuß.

Länger hält die Mutter nicht das Zürnen,Oeffnet das bekannte Schloß geschwind:Gibt es hier im Hause solche Dirnen,

Die dem Fremden gleich zu Willen sind?>So zur Thür hinein.

Bey der Lampe Schein

Sieht sie Gott! sie sieht ihr eigen Kind.

Und der Jüngling will im ersten SchreckenMit des Mädchens eignem Schleierflor,

Mit dem Teppich die Geliebte decken;

Doch sie windet gleich sich selbst hervor.

Wie mit Geist's GewaltHebet die Gestalt

Lang' und langsam sich im Bett' empor.

Mutter! Mutter! spricht sie hohle Worte:So mißgönnt Ihr mir die schöne Nackt!

Ihr vertreibt mich von dem warmen Orte.Din ich zur Verzweiflung nur erwacht?

Jst's Euch nicht genug.

Daß in's Leickentuch,

Daß Ihr früh mich in das Grad gebracht?