Druckschrift 
1 (1815)
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

5

Sie lächelte, sie sprach: Du siehst, wie klug,

Wie uöthig war's euch wenig zu enthüllen!

Kaum bist du sicher vor dem gröbsten Trug,

Kaum bist du Herr vom ersten Kinderwillen;

So glaub,7"dn dich schon Uebermensch genug,Versäumst die Pflicht des Mannes zu erfüllen!

Wie viel bist du von andern unterschieden?

Erkenne dich! leb' mit der Welt in Frieden.

^ Verzeih' mir, rief ich aus, ich meint' es gut,Soll ich umsonst die Augen offen haben?

Ein froher Wille lebt-in meinem Blut,

Ich kenne ganz den Werth von deinen Gaben!

Für andre wächst in mir das edle Gut,

Ich kann und will das Pfund nicht mehr vergraben!Warum sucht' ich den Weg so sehnsuchtsvoll.

Wenn ich ihn nicht den Brüdern zeigen soll?

Und wie ich sprach, sah mich das hohe WesenMit einem Blick mitleid'ger Nachsicht an;lüi Ich konnte mich in ihrem Auge lesen.

Was ich verfehlt und was ich recht gethan.

Sie lächelte, da war ich schon genesen.

Au neuen Freuden stieg mein Geist heran:

Ich konnte nun mit innigem VertrauenMich zu ihr nahn und ihre Nähe schauen.

,D Da reckte sie die Hand aus in die Streifen'Der leichten Wolken und des Dufts umher,

Wie sie ihn faßte ließ er sich ergreifen.

Er ließ sich ziehn, es war kein Nebel mehr.

Mein Auge könnt' im Thale wieder schweiien,

Gen Himmel blickt' ich, er war hell und hehr.

Nur sah' ich sie den reinsten Schleyer halten,

^ Cr floß um sie und schwoll in tausend Falten.