65
Lottchen, wer kennt unsre Sinnen?
Lottchen, wer kennt unser Herz?
Ach! es mochte gern gekannt sevn, übcrfließenIn das Mitempfinden einer Kreatur,
Und vertrauend zwiefach neu genießenAlles Leid und Freude der Natur.
Und da sucht das Aug' oft so vergebensRings umher, und findet Alles zu;
Sv vertaumelt sich der schönste Tcheil des LebensOhne Sturm und ohne Ruh;
Und zu deinem ew'gen Unbehagen "
Stoßt dich heute, was dich gestern zog.
Kannst du zu der Welt nur Neigung tragen.
Die so oft dich trog.
Und bey deinem Weh, bey deinem Glücke,
Blieb in eigenwill'ger starrer Ruh?
Sieh, da tritt der Geist in sich znrücke.
Und das Herz — es schließt sich zu.'
Sv fand ich dich und ging dir frei) entgegen.
O sie ist werth zu sepn geliebt!
Ries' ich, erflehte dir des Himmels reinsten Scegen,Den er dir nun in deiner Freundinn giebt.
Liebebedürf n iß.
Wer vernimmt mich? ach! wem soll ich's klagen?Wer's vernähme, würd' er mich bedauern?
Ach! die Lippe, die so manche FreudeSonst genossen hat und sonst gegeben.
Ist gespalten und sie schmerzt erbärmlich.
Und sie ist nicht etwa wund geworden.
Weil die Liebste mich zu wild ergriffen.
Hold mich angebissen, daß sie fester
Gcelbr'S Erdichte. !I Tb.
6