Druckschrift 
2 (1815)
Entstehung
Seite
51
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Adle r n nd Taub e»

Ein Adlersjüngling hob die FlügelNach Raub aus;

Ihn traf des Jägers Pfeil und schnittDer rechten Schwinge Sennkrafc ab.

Cr stürzt hinab in einen Myrrenhain,

Fraß feinen Schmerz drey Tage lang,

Und zuckt an Qual

Drey lange, lange Nachte lang:

Zuletzt heilt ihnAllgegenwärt'ger BalsamAllheilender Natur.

Cr schleicht aus dem Gebüsch hervorUnd reckt die Flügel ach!

Die Schwingkraft weggeschnitten

Hebt sich mühsam kaumAm Boden weg

Unwürd'gem Raubbedürfniß nach.

Und ruht rieftrauernd

Auf dem niedern Fels am Bach;

Er blickt zur Eich' hinauf,

Hinauf zum Himmel,

Und eine Thräne füllt sein hohes Aug'.

Da kommt muthwillig durch die MprkenästeDahergerauscht ein Taubenpaar,

Läßt sich herab und wandelt nickendUeber goldnen Sand und Bach,

Und ruckt einander an;

Ihr röthlich Auge buhlt umher,

Erblickt den Jnnigtrauernden.

Der Tauber schwingt neugiergesellig sich' Zum nahen Busch und blickt

Mit Selbstgefälligkeit ihn freundlich an.

Du trauerst, liebelt er,

Sey guten Muthes, Freuno!