Schweigt der Bruder, ziehet aus der Tasche,Eingehüllet in hvchrothe Seide,
Ausgesertiget den Brief der Scheidung,
Daß sie kehre zu der Mutter Wohnung,
Frey sich einem Andern zu ergeben.
Als die Frau den Trauer-Scheidbrief sähe.Küßte sie der beyden Knaben Stirne,
Küßt' die Wangen ihrer bevden Mädchen.
Aber ach! vom Säugling in der WiegeKann sie sich im bitter» Schmerz nicht reißen!
Reißt sie los der ungestüme Bruder,
Hebt sie auf das muntre Roß behende.
Und so eilt er mit der bangen FrauenGrad' nach seines Vaters hoher Wohnung.
Kurze Zeit war's, noch nicht sieben Tage;Kurze Zeit g'nug; von viel großen HerrenUnsre Frau i» ihrer Wittwen-Trauer,
Unsre Frau zum Weib begehret wurde.
Und der größte war Jmoskis Cadi,
Und die Frau bat weinend ihren Bruder:
„Ich beschwöre dich bey deinem Leben,
„Gib mich keinem Andern mehr zur Frauen,
„Daß das Wiedersehen meiner lieben„Armen Kinder mir das Herz nicht breche!"
Ihre Reden achtet nicht der Bruder,
Fest, Jmoskis Cadi sie zu trauen.
Doch die Gute bittet ihn unendlich:
Schicke wenigstens ein Blatt, o Bruder,
Mit den Worten zu Jmoskis Cadi:
„Dich begrüßt die junge Wittib freundlich,
„Und läßt durch dies Blatt dich höchlich bitten,„Daß, wenn dich die Suaten herbegleiten,
„Du mir einen langen Schleper bringest,
„Daß ich mich vor Asans Haus verhülle,
„Meine lieben Waisen nicht erblicke."