zi8 I. B. zo. C. Von der Lebens-Art
bar, menäacium äicunt, denn sie halten alles das für Lüaen, !
was der Prediger nicht entweder aus dem Alter: oder ausden: Neuen Testament beweisen karr. Indessen kan undwill ich es nicht gantz und gar in Abrede seyn, zumalen da michdie betrübte Erfahrung leider nur mehr als zu viel davon über- izeugt, daß nicht die Christlichen Kirchen, ja ich sage frey heraus,daß auch nicht so gar diejenigen, so sich zu der sogenanten Refor-mirten Religion bekennen, in Ansehung ihres Wandels, eine vielandere Gestalt gewonnen hatten, als sie zu den Zeiten der Apo-stel gehabt. Das Verderben, der Geitz, das eitele Wesen derWelt, der Stoltz, und andere ländliche Dinge mehr, sind sogar !bis in das Heiligthum hineingedrungen, ja selbst der güldene Leuch- i
rer bedarf seiner Lichtschnautzen: folglich würde es thöricht gehan-delt seyn, wenn malt behaupten wolte, die Waldenser waren ins-gesamt vom ersten Tage an bis auf die jetzige Stunde so heiligeLeute gewesen, daß man keinen unter ihnen einer Sünde hatte zei-hen können: sie sind allerdings auch Menschen, mithin auch mensch-lichen Schwachheiten zu allen Zeiten unterworffen gewesen. Ichbetrübe mich vielmehr und seufze ofte darüber in der Stille zuGOtt, und dieses um so viel desto mehr, da sie sowol demGe-blüte als Gemüthe nach meine Bruder sind, wenn ich bey mirselbst bedrucke, baß die heutigen Waldenser lange nicht mehr insolcher Heiligkeit und Verlangnung der Welt stehen, als ihreim HERRN ruhende Vorfahren gestanden haben. Dem seynmt aber auch leider wie ihm wolle, so darf ich doch wohl mitWahrheit sagen und behaupten, zugleich aber auch den Vaterdes Lichts, von dem alle gute Gaben kommen, von Hertzen da-für loben und dancken: daß wenn man überhaupt unsere Walden-ser zusammen nehmen, und sie gegen den übrigen gantzen Hausender sogenanten Reformirten und Protestanten halten wolte, soich nur jemals habe kennen lernen: man unter den letzteren wohlkeine finden würde die es ihnen an wahrem Eifer für das WortGOttes, und an Bereitwilligkeit um Christi willen alles was sie