Druckschrift 
1 (1750)
Entstehung
Seite
508
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AO8 I. B. ZO. C. Von der Lebens-Art

daß sie sich schon von langen Zeiten her von der Römischen Kir,che abgesondert, und ihren Dienst und Ceremonien nicht nachma-chen wollen: wie man davon umständlicher in des Petri de Vi-ncis, Kaiserlichen Kantzlers, seinem 25.26. und 27. Briefe desandern Buchs nachlesen kan.

Da nun die eigenen Widersacher unserer Waldenser so vielherrliche Zeugnisse in Ansehung ihrer stillen und aufrichtigen Le-bensart ablegen, als wir bisher gesehen haben: warum selten wirdenn wohl Bedencken tragen, demjenigen Glauben beizumessen,was sie selbst zu ihrer Rechtfertigung in so vielen Vertheidigung^Schriften, die sie bey aller Gelegenheit bald den Königen, inFrankreich , bald den Hertzogen von Savoyen , bald auchfremden Potentaten übergeben, beigebracht? Dis Werck würdeohne Noth zu weitlauftig werden, wenn ich sie alle anführen solle.Indessen kan ich mich doch nicht einbrechen, meinen Lesern zu zei-gen, auf was für Art und Weise sie sich schon vor Zeiten beydemKönige von Böhmen uud Hungarn Vladislao, den sie Lan-celeum nennen, verantwortet: als man ihnen schon damals dieallerabscheulichste Beschuldigung so iemals wider sie hat ersonnenwerden können, wie sie mmlich mit den Thieren sich ver-mischten, und auch sonst die allerqreulichsten Unreinigkei-ten unter sich selbst zu begehen pflegten, aufbürden wollen.Wir wollen ihre eigene Sprache in einem Briefe, davon HerrPerrin im 4. Capitel seiner Waldenser-Historie den erstenAussatz zu besitzen sich rühmet, lesen. Ich habe eine glaubwür-dige Abschrift davon in eben der Sprache, die noch heut zu Tagebey ihnen in den Thalern üblich ist, woraus man klarlich genugsehen kan, daß die in Böhmen erst kratz vorher aus den Thalernmüssen gekommen seyn, weil sie damals noch gar keine Verände-rung der Sprache unter sich einreisten lassen. Sie beklagen sichdarinnen über die falschen uud unerhörten Beschuldigungen ihrerWidersacher , und bedienen sich dabey folgender Worte: