ry6 ' I-B. IZ.C. Die Lehre der Waldenser
„gentheil von diesem oder jenem, was er mit uns vornimmt, uns„zuträglicher wäre, er dieses Gegentheil auch gewißlich bald er-„greiffen wurde. Sollen wir ihm denn nicht unsere Seelen vok-aler Zuversicht freudig unterwerffen, und gewiß versichert seyn,„daß er uns auch mitten unter der Züchtigung, von Hertzen lieb„behalte? Alle Srhmertzen, Armuth, und was wir sonst zu lei-.,den haben, soll dieses Vertrauen niemals aus unsern Hertzen„reisten, oder uns auf die Gedancken bringen, ob würden wir„darum von GOtt gehaßt, oder gar verworffen: vielmehr sollen„wir aus diesen, anfiel) selbst sonst harten Schickstilen urtheilen,„daß wir, als seine liebsten Kinder, bey ihm in Gnaden stehen.„W'.r müssen uns daher gar nicht bey denen aufhalten, denen es„rn der Welt allezeit nach Wunsche gehet, und die in dem Irdi-schen ihr eintziges Vergnügen findet!, sondern aufIEfum, den„wahren, liebsten und eintzigen Sohn GOttes sehen. Wer hak„doch auf der Welt fo viele, geschweige denn mehr Drangsale,„Marter, Armuth und Noth, bis in den Tod ausgestanden, als„dieser? Wie bitter muß diesem nicht der Kelch so vieler Leiden„geschmeckt haben, da seine Feinde, als tolle Hunde, ihn ange-, fallen, ihn von allen Seiten geängstiget, und mit den allerhef-, tigsten Schmäh-Worten beleget haben? Wie muß diesem dazu„Muthe gewesen seyn, als er mitten unter der grösten Leibes-„und Seelen Angst rufen müsse: Mein GOtt, mein GOtt,„warum hast du mich, verlassen? Da bey herannahendem„Ende seine Seele betrübt gewesen bis in den Tod, und da„er unter dem Gebete, daß dieser Kelch, wo es möglich wäre,„vorüber gehen mochte, unter dem jämmerlichsten Zittern und„Zagen, blutigen Schweiß gcschwißet?
„Hierauf foll der Krancke gewiesen, und ihm dabey ange-zeiget werden, daß er lange nicht das zu leiden habe, was sein„IEsus für ihn ausgestanden, und wie er Urfache habe, seinen„GOtt von Hertzen zu daneben, daß er seinen einigen Sohn für„uns in fo ein bitteres Leiden und Sterben habe hingeben wollen:
„aber