Bedrängnis zur Sprache gekommen, in welcher sich die Damenvon St. Quirin in Neuß befanden, denn Herzog Wilhelm beschloß,denselben im Stift Gerresheim eine neue Heimat zu bereiten.Kurfürst Ernst von Köln gab unter dem 23. Juli dazu seine Zu-stimmung, und am 1. August 1585 „haben Jhro Fürstl. Gnadendie Margarctham von Loe, (das von mir benutzte Schriftstücknennt sie vom Lohe), Abdissin zu Nens, zu einer Administratrixangestellet, mit Befelch, ettliche Jonffern anznuehmen, und sambtdenen den gewöhnlichen Gottesdienst zu verrichten, wie auch alsolcherStifftcr Gebrauch nach ettliche adliche Jonffern ahngenohmen." —So hielt denn Margaretha von Loe ihren Einzug in Gerresheim,in Begleitung mehrerer Damen aus dem Qnirinsstift. Daem vonHarff Amtmann zu Lewenberg und Lülsdorf, Diederich Grawnnderund Diedrich Byn, Bergischer Landschreiber und Richter zu Mettmann,vollzogen die Einsetzung.
Kaum hatte Felicitas von Eberstein dies erfahren, als sie vonHerford nach Gerresheim eilte, um ihr Recht zu wahren. Den 10.August 1585 erschien sie zwischen 9 und 10 Uhr Morgens daselbst,begleitet von zwei Stiftsdamen, wahrscheinlich ihren beiden NichtenMaria und Felicitas, und ihrem Vetter dem Grafen Wyrich vonDaun und Falkenstein, Herrn zu Broich, der entschieden zur prote-stantischen Partei gehörte und den Johann Wilhelm als das eaxntoinninrn innlornm ansah.") Margaretha von Loe war mit einigenDamen nach Düsseldorf, in Gerresheim befanden sich nur 2 Kano-nissinnen und ein „jung Jüffergen", welche gerade in der Kirchewaren. Felicitas ließ sich in der Abtei häuslich nieder und ver-schloß die znr Abtei führende Kirchenthüre, so daß die in der Kirchebefindlichen Damen nicht in die Abtei zurück konnten und bei demBürgermeister ein Unterkommen suchen mußten. Nun protestirtesie vor Notar und Zeugen gegen die Einsetzung der Margaretha vonLoe, angebend, daß sie als Canonissin nun 49 Jahre und als Ab-tissin 20 Jahre in ruhiger ungestörter Posscssion gewesen sei undauch darin bleiben wolle. Dann schrieb sie an den alten HerzogWilhelm, der auf dem Schlosse Bensberg war, beklagte sich überdas Geschehene und bat, den Befehl „wegen der Transferirnng derJuffern von Neuß" zurückzunehmen. Zugleich stellte sie dem Grasen
*) Es ist derselbe, der 1598 aus dem Schlosse Broich bei Mülheima/d. Ruhr von den beutegierigen spanischen Söldnern auf eine grausameWeise ermordet wurde.