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1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
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Kritifche Verfuche,

bei jedem Erkennen vorgeht. Indem wir die Höheeines Thurms ausmeffen, oder den Einflufs der Lei-deufchaften erwägen, oder den Urfachen der elek-trifchen Erfcheinungen nachfpiiren, find wir nurwenig oder gar nicht mit dem Gemiithszuftande be-fchäftigt, der mit den Vorftellungen diefer Gegen-ftände verknüpft ift. Ia die Beobachtung lehrt,dafs das Bewufstfeyn des Gemiitbszuftandes demBewufstfeyn des Gegenftandes Abbruch thut, unddie Pfychologen gründen hierauf das Gefetz: Je

mehr Erkennen, defto weniger Empfin-den; je mehr Empfinden defto wenigerErkennen. Jemehr wir durch einen Sinn Em-pfindung erhalten, deflo weniger Erkenntnifs ver-fchaft er uns. Geruch und Gefchmack erweiternunfre Erkenntnifs der Objekte nur wenig; da hin-gegen Augen und Ohren den gröfsten Antheil anderfelben haben. Mit den Vernunfterkenntniffenfind nur felrr fchwache Gemüthsveränderungen ver-knüpft, und wenn das Gemüth auf irgend eineArt ftark bewegt ift, fo werden die Vernunftwir-kungen gehemmt.

Aber unter den Erkenntniffen felbft bemerkenwir doch mancherlei Unterfchiede, die bei der Un-terfuchung über den Urfprung der menfchlichen Er- !kenntniffe niclit dürfen überfehen werden. Wir be-merken nemlich viele Vorftellungen bei uns, die fich 1unmittelbar auf einen beftimmten Gegenftand bezie- !hen, wo der Gegenftand ganz unabhängig von un-frei' Willkiihr die Vorfteliung beftimmt, und wo wir 1

§ e -