526 Ueber die menfchlicbe Natur.
reichen, dürfen wir nicht deshalb verzweifeln, weil fo !viele fchimärifche Syfteme nach und nach unter den iMenfchen entftanden und wieder verfchwunden find.Denn wir dürfen nur die Kürze derZeit betrachten,in welcher diefe Fragen die Gcgenftände des Den- |kens und Nachforfchens gewefen find. Zweitauiend IIahre, mit fo langen Unterbrechungen, und unter -fo mächtigen Unterdrückungen und Hinderniffen !find doch warlich ein kleiner Zeitraum, den Willen- !fchaften nur eine erträgliche Vollkommenheit zu !verfchaffen; und vielleicht leben wir in einem noch 1zu frühen Zeitalter der Welt, um-fchon Principienzu entdecken, welche die Prüfung der fpäteftenNachwelt aushalten können. Was mich anbetrifft,fo ift mein einziger Wunfch nur der, dafs ich einwenig dadurch den Wiflenfchaften forthelfen möge,dafs ich den Spekulationen der Philofophen in ver-fchiedenen Stücken eine andre Wendung gebe, undihnen diejenigen Gegenftände deutlicher anzeige,wo fie allein Gewifsheit undUeberzeugung erwartenkönnen. Die menfchlicbe Natur ift die einzige AVif-fenfchaft des Menfchen ; und doch ift fie bisher fofehr vernachläffiget worden. Ich will zufrieden fevn,wenn ich fie ein wenig mehr in die Mode bringenkann; und die Hoffnung, diefes zu erreichen, erlöfstmich wieder von jenem Spleen, und ftärkt meine Seelegegen die Indolenz, die lieh zuweilen meiner bemäch-tiget. V r enn fich alfo der Lefer in einer gleichenguten Gemiithsverfaffung findet, fo mag er mir in
xnei’