Druckschrift 
1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
518
Einzelbild herunterladen
 

5 T 8 U eher die menfebliebe Natur.

falfchen Vernunft oder gar keiner gelaffen. Ich fürmeinen Theil weifs es nicht, was im gegenwärtigenFalle zutliun ift. Ich kann nur anführen, was mangewöhnlicherweife thut; und diefes ift, dafs manfeiten oder nie an diefe Schwierigkeit denkt; undwenn fie auch einmal dem Gerniithe vorkömmt, foift fie doch augenblicklich wieder vergeffen, undläfst nur einen fehr geringen Eindruck zurück. Sehrfubtile Reflexionen haben wenig oder keinen Einflufsauf uns; aber dennoch können und dürfen wir esnicht zur Regel annehmen, dafs fie gar keinen Ein-flufs haben dürfen; denn diefes enthält einen offen-baren Widerfpruch.

Doch was hab ich hier gefagt, dafs abftrakteund metapbjfifche Reflexionen wenig oder keinenEinflufs auf uns haben? Kaum kann ich mich ent-halten , diefe Meinung wieder zurück zu neh-men, und fie nach meinem gegenwärtigen Gefühlund nach meiner Erfahrung zu verdammen. Dieftarke Anfchauung diefer mannigfaltigen Wider-fprtiche und Unvollkommenheiten in der menfchli-clien Vernunft hat fo auf mich gewirkt und meinenKopf fo erhitzt, dafs ich bereit bin, alle Ueberzeu-gung und alle Vernunfterkenntnifs zu verwerfen,und dafs ich fchlechterdings keine Meinung fürglaublicher oder wahrfcheinlicher halten kann, alsdie andre. Wer bin ich, oder was bin ich? Vonwelchen Urfachen leite ich meine Exiftenz ab, und

zu