49° Ueber die menfchliche Natur.
ches er fein Selbft nennt; ob ich gleich vonmeiner Seite gewifs bin, dafs fich in mir ein fol-ches Ding nicht findet.
Allein fo bald ich nur einige Metaphyfiker die«fer Art ausnehme, fo kann ich dreift von dem gan-zen übrigen Menfchengefchlechte behaupten, dafs fienichts als ein Bündel oder eine Sammlung von ver-fchiedenen Vorftellungen find , die mit unbegreifli-cher Schnelligkeit auf einander folgen, und in ei-nem beftändigen Fluffe und einer kontinuirlichenBewegung find. Wir können unfre Augen nicht ein-mal bewegen, ohne unfre Vorftellungen zu verän-dern. Unfre Gedanken find noch veränderlicher alsunfre Vorftellungen des Gefichts, und alle unfreübrigen Sinne und Vermögen tragen zu diefemWeclifei bei; und es ift keine einzige Kraft der See-le, welche vielleicht auch nur einen Augenblick un-veränderlich diefelbe bliebe. Das Gemtith ift eineArt von Schaubühne, worauf verfchiedene Vorftel-lungen hinter einander erfcheinen ; fie kommen undkommen wieder, und gehn vorüber, und mifchenfich in die unendliche Mannigfaltigkeit von Stellun-gen und Lagen. Es ift eigentlich nie zu einer ZeitEinfachheit, nie zu verfchiedenen Zeiten Identitätin demfelben; fo fehr wir auch von Natur geneigtfeyn mögen, uns diefe Einfachheit und Identität ein-zubilden. Die Vergleichung mit der Schaubühnedarf uns nicht irre machen. Es find blos die fuccef-fiven Vorftellungen, welche das Gemiith ausmachen;und wir haben nicht den entfernteren Begriff ton
dem