Druckschrift 
1 (1790) Ueber den menschlichen Verstand
Entstehung
Seite
443
Einzelbild herunterladen
 

Von andern philofoph. Syftemen. 443

der Gewohnheit nncl der Vernunfterkenntnifs ent-gegenftehen, fo können fie leicht durch einen ge-hörigen Kontraft und eine fchickliche Entgegenftel-lung andrer Principien umgeworfen werden. Umdeswillen werden die erftern von der Philofophiegebilligt, die letztem verworfen. Wer da fchliefst,dafs ihm jemand nahe feyn muffe, wenn er im Fin-ftern reden hört, urtheilt richtig und der Naturangemeffen; obgleich diefer Schluls lieh blos aufdie Gewohnheit ftützt, welche den Begriff einesmenfclilichen Gefchöpfs lebendig und ftark macht,weil er gewöhnlich mit der gegenwärtigen Impref-fion verbunden ift. Aber wenn jemand, ohne felbftzu wiffen, warum, von der Furcht vor Gefpeniternim Finftern gepeinigt wird, fo kann man vielleichtfagen, dafs er fchliefst, auch dafs er nach natürli-chen Geletzen fchliefst; aber nur in clemfelbigenSinne, als man fagt, dafs eine Krankheit nach na-türlichen Gefetzen erfolge, weil fie von natürlichenUrfachen herkömmt, ob fie gleich der Gefundheitals dem angenelimften und natiirlichften Zuftandedes Menfchen widerfpricht.

Die Meinungen der alten Philofophen, ihreDichtungen von Subftanz und Accidenz, und ihreLehren von den fubftanziellen Formen und den ver-borgnen Qualitäten, gleichen den Gelpenftern imFinftern, und kommen aus Grundfätzen, welcheobfehon gewöhnlich, doch weder allgemein nochnothwendig in der menfehiiehen Natur liegen. Dieneuere Philofophie rühmt lieh von diefem

Fehler