Von Erkenntnifs und Wahrfcheinlichkeit. 239
wie Vorftellungen, welche uns Sinne, Geclächtnifsund Vernunft geben. Da aber die Erziehung einekünftliclie und keine natürliche Urfache ift, undda ihre Maximen oft der Vernunft, ja fogar liehfelbft zu verfchiedenen Zeiten und Orten wider*fprechen, fo ift fie niemals von den Philofophenfür einen ächten Grund der Wahrheit erkannt wor-den; ob fie gleich im Grunde meiftenfheils auch aufdenfelben Grund der Gewohnheit und Wiederho-lung gebauet .ift, fo gut wie unfre Schlüffe von Ur-fachen und Wirkungen *).
Z e li n *
*) Im Allgemeinen können wir bemerken, dafs un-fer Beifall, den wir den wahrfcheinl i eben Schlüf-fen geben, da er auf der Lebhaftigkeit der Be-griffe beruhet, vielen jener Grillen und Vorur-theilen ähnlich ift, welche man unter dem be-fchimpfenden Charakter, als ob iie blofse Ab-kömmlinge der Imagination wären, verwirft. Andiefem Ausdrucke liehet man, dafs das WortEinbildungskraft gemeiniglich in einem doppeltenSinne gebraucht wird; und obgleich der wahrenPhilofophie nichts mehr zuwider ift, als dieferMangel der Akkurateffe; fo habe ich mich dochin der Folge mehr als einmal genöthigt geliehen,in diefen Fehler zu fallen. Wenn ich die Ein-bildungskraft dem Gedächtniffe entgegenfetze, foverftehe ich die Fähigkeit darunter, wodurchwir fchwächere Begriffe bilden. Setze ich lieaber der Vernunft entgegen, fo meine ich daflel-bige : Vermögen, das nur die demonftrativifchenund wahrfeheinlichen Schlüffe ausfcliliefst. Wenn
ich