Nur in Hannover hat sich der Backsteinbau im Anschluss an denromanischen und gothischen Stil bis auf die Gegenwart in Blüthe er-halten und sich zu einer Eigenart ausgebildet, die man als »hannoverscheGothik« bezeichnet. Diese Bestrebungen sind von Karl Wilhelm Hase(geb. 1818) ausgegangen, welcher sich anfangs auf dem Polytechnikum zuHannover und dann bei Gärtner in München gebildet hatte. SeineStudien richteten sich besonders auf die mittelalterlichen Baustile, undnachdem er 1849 Lehrer der Baukunst am Polytechnikum in Hannovergeworden, entfaltete er eine gleich ausgedehnte Thätigkeit als Lehrerwie als Restaurator romanischer und gothischer Kirchen und in eigenenBauschöpfungen, deren hervorragendste das im Rundbogenstil ausgeführteMuseum (1853—56) und die gothische Christuskirche in Hannover, dasGymnasium Andreanum in Hildesheim und das gothisehe Schloss Marien-burg bei Nordstemmen (1860—68) sind. An letzterem war sein SchülerEdwin Opplcr (1831 — 1880) sein Mitarbeiter. Oppler bevorzugte in seineneigenen Bauten mehr den romanischen Stil, in welchem er die Synagogen zuHannover und Breslau ausführte. Zu noch grösserer Ausdehnung gelangtedie Anwendung des Backsteinbaus durch den von Berlin nach Hannoverübergesiedelten Hubert Stier, welchen wir bereits als Erbauer der Florain Charlottenburg kennen gelernt haben. In Hannover erbaute er dengrossen Centralbahnhof und verschiedene Geschäfts- und Wohnhäuser, inHildesheim den Bahnhof, in Parchim und Hameln die Postgebäude undausserdem lieferte er zahlreiche Entwürfe für Bahnhofs-, Post-, undSchulgebäude in der Provinz Hannover und führte die Wiederherstellungder Liebfrauenkirche in Arnstadt und der Nikolaikirche in Eisenach mitfeinem Stilgefühl aus. In den eigenen Erfindungen Stiers findet sich derCharakter der Monumentalität mit malerisch wirkenden Einzelheiten so-wohl in der formalen Durchbildung wie in der farbigen Gesammterschei-nung zumeist sehr glücklich verbunden, und er wie die gleichstrebendenArchitekten haben sich ein grosses Verdienst dadurch erworben, dass siemit Anwendung des heimischen, Jedermann leicht zugänglichen Bau-materials selbst gewöhnlichen Nutzbauten ein künstlerisches Gepräge zugeben versucht haben. — Von den übrigen Monumentalbauten Hannoversaus neuerer Zeit sind noch das Theater (1845 — 52) von Georg LudwigFriedrich Laves (1789—1864), welcher der antikisirenden Richtung an-gehörte und ausserdem die Waterloosäule errichtet und das Innere desResidenzschlosses ausgebaut hat, und das im Rundbogenstil von Tramerausgeführte Weifenschloss zu nennen, welches, 1866 vollendet, nicht mehrseiner ursprünglichen Bestimmung dienen konnte, sondern 1878—80 fürdie Zwecke der technischen Hochschule eingerichtet wurde. Auch die
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