neueren Privatbauten Hannovers sind überwiegend Backsteinbauten, welche,unter Anwendung von Sandsteindetails und farbig glasirten Ziegeln, meistmit gothischen Zierformen und Gliederungen ausgestattet sind.*)
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4. Schadow, Rauch und die Bildhauerkunst in Berlin.
Einen ähnlichen Entwickelungsgang wie die deutsche Malerei inunserem Jahrhundert hat auch die deutsche Bildnerei durchgemacht, denWeg vom strengen Klassizismus der Antike, in welchem man das sichersteHeilmittel gegen die Willkür und die vermeintliche Unnatur der Kunstdes achtzehnten Jahrhunderts gefunden zu haben glaubte, bis zur ebensostrengen Nachahmung der Wirklichkeit und der Natur, welche man nachBelieben Realismus oder Naturalismus nennen kann. Dieser Weg gleicht,genau genommen, mehr einem Kreisläufe, als einem Entwickelungsgangein auf- oder absteigender Linie. Denn was die plastische Kunst derGegenwart als höchstes Ziel ihres Strebens ansieht, in einem treuenAbbild der Natur kräftigstes Leben zum Ausdruck zu bringen, durch denSchein nervöser Lebendigkeit die Zähigkeit und Schwere des plastischenMaterials zu überwinden und in der farbig-lebendigen Erscheinung desplastischen Kunstwerks mit der Malerei zu wetteifern, ■— dieses Zielist auch das kennzeichnende Merkmal der besten Schöpfungen der Kunstdes achtzehnten Jahrhunderts, welche die Lehrmeisterin der neuerenPlastik geworden ist, als diese das Bedürfniss fühlte, sich von den all-gemach drückend gewordenen Fesseln des zum leeren Formenwesen er-starrten Klassizismus der Rauchschen Schule zu befreien und, gleich denfreiheitsdurstigen Dichtern, Künstlern und Philosophen des achtzehntenJahrhunderts, zur Natur zurückzukehren.
Selbst derjenige Bildhauer, welchen man an die Spitze der auf demStudium und der Erneuerung der Antike beruhenden, deutschen Bild-hauerkunst des neunzehnten Jahrhunderts zu stellen pflegt, GottfriedSchadow, wurzelt mit seinen geistvollsten und lebendigsten Schöpfungennoch tief in den Naturanschauungen der Rokokokunst, und gerade diese,zum Theil erst in neuester Zeit allgemeiner bekannt gewordenen Werkereden eine Sprache, die uns verständlicher ist, als Schadows Versuche,sich in dem harten, aus einzelnen, sehr verschiedenartigen Brocken müh-sam konstruirten Dialekt der Antike flüssig und gewandt auszudrücken,Am 20. Mai 1764 zu Berlin als Sohn eines Schneidermeisters geboren,**)
*) Vgl. G. Schönermark, Die Architektur der hannoverschen Schule. Leipzig 18S9 ff.
**) Vgl. G. Schadow, Kunstwerke und Kunstansichten. Berlin 1849. — Friedländer,Gottfried Schadow, Aufsätze und Briefe. Düsseldorf 1864. — K. Eggers in Dohmes „Kunst