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Spanien.
Unterredungen (rsxusos) über das Dogma und die Sittenlehre zu halten. Das Gesetzvom 2. Juni 1868 gieng weiter. Der Art. 17 lautet so: Da die christliche Lehre dieGrundlage des Primärunterrichts ist, so soll der Pfarrer oder der Rektor des Kirchspielsdie Schule so oft besuchen, als er es für angemessen hält; er soll die Schüler beiderleiGeschlechts, uiüos ^ niüas, prüfen, sie den Katechismus lehren in der Schule oder inder Kirche an den schicklichen Tagen und Stunden, welche er bestimmen wird, und er sollwachen über die Reinheit der Lehre des Lehrers.*) Die Abschaffung des Konkordats hatdiese Lage der Dinge plötzlich umgewandelt. Eine der ersten Sorgen der neuen Regierungwar die vollständige Verweltlichung des Unterrichts auf allen seinen Stufen.**) Ohnedie Tragweite dieses Umschlags schätzen zu wollen, bemerken wir, daß bedauerliche Wirrensogar schon unter der Herrschaft des Gesetzes von 1857 sich gezeigt hatten. „Die inden Normalschulcn gebildeten Lehrer und Lehrerinnen," so schrieb Garrido im Jahre 1862,„treten aus denselben von einem ganz anderen Geiste beseelt als dem der religiösenKörperschaften. In den Schulen der letzteren betet man beständig; in den weltlichenSchulen wendet man die Zeit ganz anders an. Die weltlichen Lehrer werden vomPublikum gehalten, welches sie bezahlt, und haben die Pfarrer zu Feinden."***)
a) Wir haben bereits gesägt, daß die Gesetzgebung von 1857 den Primärunterrichteinteilt in einen elementaren und höheren. Der Lehrplan der Elementarschulenumfaßt außer der christlichen Lehre und heiligen Geschichte in einer dem jugendlichenAlter angemessenen Fassung das Lesen, Schreiben, die Anfangsgründe der castilischenGrammatik, mit Übungen in der Rechtschreibung, die Grundzüge der Arithmetik mitdem eingeführtcn System der Maße, Gewichte und Münzen, endlich „nach den örtlichenBedürfnissen" einige Begriffe von Landbau, von Industrie und Handel (Art. 2). Diegleichen Fächer, aber auf einer höhern Stufe, werden in den höheren Primärschulengelehrt und außerdem 1. die Anfangsgründe der Geometrie, des Linearzeichnens und derFeldmeßkunst; 2. ein Abriß der Geschichte und Geographie, vorzugsweise Spaniens;3. allgemeine Begriffe von der Physik, Chemie und Naturgeschichte, nebst ihrer gewöhn-lichen Anwendung im Leben. Der Unterricht ist der gleiche in den Mädchenschulen, so-wol in den elementaren als in den höheren, nur sind die Begriffe vom Landbau und
*) Art. 29 des gleichen Gesetzes verlangte, daß die Lesebücher unter der Zensur der Geistlichen,welche Mitglieder der obersten Junta sür den öffentlichen Unterricht waren, stehen sollten.
**) S. die Darlegung der Motive des Dekrets vom 14. Okt. 1868 in der Oolsecion IsZis-lativa äs Lsprum t. 6. x. 315.
***) Es ist traurig zu sagen: der echte religiöse Geist ist in Spanien so zu sagen garnicht zu finden. Th. Fritz machte diese Bemerkung schon im Jahre 1843 (a. a. O. Bd. 3,S. 591). Der Atheismus hat erschreckende Fortschritte gemacht und außer den Atheisten giebteS nur Betbrüder, welche die rein äußerlichen Übungen des Kultus für Religion halten. Diesesittliche Verwirrung wirkt bis in die Schulen zurück. Im Verlauf der letzten Periode hat dasPersonal des Oberstudienrats so oft gewechselt als das Ministerium, dessen Impulsen es folgte:und das hat nicht wenig zu bedeuten. Darum ist z. B- keine Übereinstimmung unter den Schul-büchern, die unter ganz entgegengesetzten Einflüssen eingesührt sind. „Sie bilden", sagt Garrido,»ein monströses Gemengsel von altem Katholicismus, doktrinärem Eklekticismus und Materialis-mus". Der angeführte Schriftsteller erzählt bei dieser Gelegenheit eine skandalöse Scene, vonwelcher er vor einigen Jahren in Andalusien selbst Zeuge war. Der Religionslehrer fragteeinen Schüler, in wie langer Zeit Gott die Welt erschaffen habe. Statt zu sagen, wie imKatechismus steht: „in sieben Tagen", gab der Knabe entweder aus Zerstreutheit oder ausBosheit die Antwort, die er vom Lehrer der Naturgeschichte gelernt hatte: „Es giebt verschiedeneTheorieen über die Bildung der Erde, welche große und lange Wandlungen erlitten hat, bevorsie aus dem feuerflüssigen Zustande in denjenigen übergieug, in welchem sie geeignet war zu derErzeugung von Pflanzen und Tieren u. s. w." Der Neligiouslehrer verwies dies dem Knabenund nannte ihn einen Häretiker. Der Lehrer der Naturgeschichte aber nahm ihn in Schutz undgab ihm Recht; und da leider kein Professor der eklektischen Philosophie da war, um zu be-weisen, daß beide Recht haben, so wurde der arme Schüler nicht promoviert und konnte nichtbegreifen, wie das, was in der Naturgeschichte recht und gut und wahr sei, in der christlichenReligion eine verabscheuungswürdige Ketzerei sein könne" (I^LspaZus eoutsmporains p. >90).
Pädag. Enchklopädie. IX. 2. Aufl. 55