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9 (1887) Spanien - Vives
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Spanien.

Die Universitäten Salamanca, Alcala, Granada, Valencia wurden auf neuen Grundlageneingerichtet, denen freilich Salamanca sich widersetzte (Baumgarten 150 ff.), die Möncheangewiesen, daß sie sich den Studien zu widmen haben, die gemeinnützigen Gesellschaftenerhielten Aufmunterungen und Unterstützungen. Der Elementarunterricht war noch nichtregelmäßig eingerichtet*): der König ließ in Marktflecken und in Dörfern niedere undhöhere Schulen eröffnen. Spanien empfand diesen Beginn der Widergeburt in wirtschaft-licher wie in sittlicher Beziehung; leider wurden die Hoffnungen, die man auf Karls III.Nachfolger KarlIV. (17881808)setzte, nicht nur nicht verwirklicht, sondern jeder Fortschrittwurde durch die zerrüttende Misregierung desselben oder vielmehr der Königin MarieLuise und ihres Günstlings Godoy unmöglich. Wir lassen Th. Fritz reden:ManuelGodoy, der erste Minister Karls IV., sprach laut zu Gunsten des Pestalozzischen Systems.Eine zur Untersuchung dieser Angelegenheit eingesetzte Kommission beriet sich sehr langedarüber, und erklärte endlich, die Methode erscheine ihr vortrefflich. Dieselbe war bereitsmit Erfolg in der Militärschule in Tarragona eingeführt worden; eine in Madrid errich-tete Schule für 100 Schüler hatte trotz der gegen sie gerichteten Ränke und Kabalenguten Fortgang. Eifrige Lehrer, die ihre pädagogischen Kenntnisse weiter auszubildenwünschten, kamen von allen Enden des Reichs, um sich in dieser Schule zu vervoll-kommnen; einer der Söhne des Königs wurde nach der neuen Methode erzogen, aberder Friedensfürst war so wenig geachtet und hatte die öffentliche Meinung so sehr gegensich, daß seine Einrichtungen keinen dauernden Erfolg haben konnten".**) UrkundlicheNachweise aus dem ersten Jahre unseres Jahrhunderts belehren uns über die geringeAnzahl der Schulen; sie blieben überdies von Ostern bis Ende Oktobers geschlossen; diePiaristen hatten das Monopol des Unterrichts, die Privaterziehung war Bedienten über-lassen. Ein im Jahre 1807 ausgearbeiteter Plan zur Neugestaltung des Unterrichts,welchem das in Salamanca angenommene System zu Grunde lag, kam nicht zur Ausführung.

Das Unglück der folgenden Jahre verhinderte natürlich jede stetige Besserung. DerVerrat Godoys, die Thronentsagung Karls IV., der französische Einfall, die EinsetzungJoseph Bonapartes als König von Spanien verpflanzten die Ideen der französischenRevolution von 1789 nach der Halbinsel, andererseits wurde der Widerstand des National-geistes dadurch erweckt und der Einfluß eines fanatischen Priesterstandes überwiegenderund volkstümlicher als je. Gleichwol trugen die liberales über die serviles (so bezeich-nete man die Anhänger der alten Ordnung der Dinge in Spanien) in den Cortes vonCadix, welche im Jahre 1812 eine neue Verfassung zu stände brachten, den Sieg davon.Aber Ferdinand VII. war kaum nach Spanien zurückgekehrt, als er unter dem Beifallder mistrauischen Masse dieselbe am 4. Mai 1814 aufhob, die Inquisition und dieKlöster widerherstellte und den Käufern des Nationalgutes den früher geistlichen Besitzohne Entschädigung entriß.

Die folgenden Auszüge aus der Konstitution von 1812 zeigen, welche FortschritteSpanien auf dem Gebiet des öffentlichen Unterrichts erfahren hätte, wenn diese Chartevon einem kräftigen, aufgeklärten Fürsten loyal angenommen und streng durchgeführtworden wäre. Im Titel IX heißt es:Art 366. In allen Dörfern der Monarchiesollen Primärschulen (eseuslas cle xrimeras lstras) gegründet werden, in welchen dieKinder lesen, schreiben und rechnen lernen. Es wird darin auch der Katechismus derkatholischen Kirche gelehrt, mit einem summarischen Abriß der bürgerlichen Pflichten.Art. 367. Eine hinlängliche Anzahl von Universitäten und anderen Lehranstalten soll

*)O'sxrtzs nos reeberebss", sagt Garrido (lülllsxsgus oontsmporsius, Bruxelles 1862.p. 27),uous eroxous xouvoir Stürmer qu'il sts.it rsrs äe trouver un psxssu ssclrsnt livest eerire; st qus, pour uns temms, ssvoir lire n'ötait pss uue xrsuvs äs baute worslitö,eexsuäaut l'iustruetion ä tous Iss (legres statt Arstuits". Nach Baumgarten, S. 183, gabes 1797 bei einer Bevölkerung von 10 541 221 Köpfen nur 425 000 Schüler in sämtlichen höherenund niederen Schulen, obschon mehr als 3 699 ooo Spanier unter sechzehn Jahren waren.

**) Fritz a. a. O. Teil M. S. 587.