Spanien.
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seiner Staaten, höhere Lehranstalten bei sich zu errichten,*) die Gewalt der Umständenötigte ihn zu immer ausgedehnteren Zugeständnissen in dieser Hinsicht. In Valenciabot die städtische Obrigkeit selbst dem Widerstand des Bischofs Trotz und stiftete eineUniversität in der Stadt: den gleichen Erfolg errang man noch leichter in Barcelonaim Jahre 1450.**) Allein dieser Wetteifer blieb ohne wesentliche Früchte; ja gerade zuder Zeit, wo Spanien auf dem Gipfel seiner Macht zu stehen schien, war es seinemgeistigen Verfall nahe. Nach der Entnervung des Volksgeistes durch das plötzliche Herein-strömen des indischen Goldes, nach der Vertreibung der Mauren und Juden, nach denSchrecken der Inquisition machte zwar der Kardinal Ximen es ernstliche Anstrengungenzur Hebung des wissenschaftlichen Geistes, indem er 1504 die Universität zu Alcala(Lomxlutensis) gründete, welche, berühmt durch die Herausgabe der berühmten Polyglotten-bibel, in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts zur Zeit des Cervantes, ihreSchwestern weit überstrahlte. Aber nach dem Hellen Glanze dieses Jahrhunderts erloschunter der Nachwirkung jener verderblichen Umstände das geistige Leben Spaniens mehrund mehr und wurde begreiflicherweise auch durch die Jesuiten nicht geweckt.
Der Dominikanerorden und die Universitäten sahen anfangs keineswegs gut dazu,daß die Jesuiten in den ersten Städten des Königreichs Kollegien gründeten. Karl V.seinerseits traute ihnen niemals recht;***) aber sie verfolgten darum doch ihre Ziele mitGeduld und Ausdauer. Das sie unmittelbar an die römischen Päpste knüpfende engeBand, der in ihren Konstitutionen niedergelegte Grundsatz des leidenden Gehorsams(psrinäe ae caäavsr), der Einfluß, den sie sich auf allen Klassen der Gesellschaft durchdie Predigt und im Beichtstuhl, sowie durch den Jugendunterricht zu verschaffen wußten,machte sie zu Herren der geistigen Entwickelung, bevor fünfzig Jahre vergangen waren.Trotz allen Vorwürfen, die man ihnen gemacht hat, muß man gestehen, daß sie in derletztgenannten Beziehung wirkliche Verdienste haben: sie verbesserten insbesondere die Me-thode des Unterrichts in den alten Sprachen und ihre klugberechnete Erziehungsweisesteuerte der eingerissenen Zügellosigkeit. Übrigens waren diese Resultate doch mehr äußer-lich und scheinbar; die Kasuistik in Marianas Buch äö rege (zum Zweck der Erziehungdes Kronprinzen verfaßt), die Spitzfindigkeiten eines Sanchez, Escobar und Caramuelvereinigen sich nicht mit dem Geist des Evangeliums. Mit der Zunahme ihrer Herr-schaft über Schulen und Universitäten riß Unwissenheit in der Philosophie, in der Ge-schichte, in den exakten Wissenschaften und in den mechanischen Künsten ein. Seit derMitte des sechzehnten Jahrhunderts gab es in Spanien keine Ingenieure mehr; ff) dieBuchdruckerkunst kam in Verfall; das Gold beider Indien gieng nach auswärts ohneNutzen für das Land. Die Grammatik und Rhetorik standen freilich in Blüte, manverfertigte in ihren Schulen lateinische Gedichte, man erklärte die Logik des Aristoteles,man übte sich, nichtige Fragen mit Gewandtheit zu erörtern, aber das Ganze war ohneFrucht für die Wissenschaft und das Leben.
Der mittelbare Einfluß einiger Gelehrten trug indes auch in diesem Zeitraum zumweiteren Fortschreiten der Wissenschaft bei, wenn auch nicht zu der eigentlichen Bildungdes Volkes. In erster Linie ist hier Juan Luiz Vives zu nennen, dessen Bedeutungfür Erziehung und Unterricht schon (S. 776 ff. dieses Bandes) geschildert wurde. DerGrainmatiker Fr. Sanchez (Sanctius), ein Jesuit, der in seinem Vaterlande öl äootoräs toäos los bombres äö lötras und öl xaärö äö 1a löngua latlna genannt wurde,verfaßte unter Philipp II. ein vortreffliches Werk: Ninsrva, sivö äö eausis lingua«latinas, welches später die Humanisten des Port-Royal in ihrer Nätboäö latine reichlichverwerteten. Als bedeutend muß man auch das Lxamen äö los ingeniös para las
*) Er wollte ihnen nur den Unterricht in der Grammatik und in der Logik zulassen.
**) Schäfer Bd. III, S. 497 f.
***) Auch Philipp II. war ihretwegen nicht ohne Unruhe. „Der einzige Orden, den ichnicht verstehe", sagte er eines Tages, „ist der Jesuitenorden".
f) 6b. >Vöiss, U'Lsxagnö saus Ubilippö II, 2ö Partie.