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9 (1887) Spanien - Vives
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Spanien,

letztgenannten Königs verdient hohe Anerkennung: bis zu seiner Zeit waren die Lehrfächerfast ausschließlich theologische gewesen, er setzte Lehrstühle ein für die weltlichen Wissen-schaften. Die Professoren von Salamanca arbeiteten unter seiner Leitung die berühmtenAlphonsinischen Tafeln aus; sie übersetzten Avicenna, Averross und die Kommentatorenzu Galen; sie halfen zu der Redaktion des berühmten Gesetzbuchs, welches unter demTitel la stets xartiäas bekannt ist, und einen höchst anziehenden Abschnitt über dieestuäios generales (Teil II, Tit. 31) enthält. Die Universität von Salamanca standunter einem aus den Höchstgestellten des Landes gewählten, jährlich wechselnden Rektor;dieser verfügte über die erledigten Lehrstühle, nachdem er das Gutachten des akademischenRats eingeholt hatte, der aus sämtlichen Professoren bestand. Die Universitätsgerichts-barkeit, unter welcher alle Graduierten und Studenten standen, hatte bis 1334 dasgeistliche Oberhaupt der Diöcese, welchem hierfür andere Würdenträger der Kirche bei-geordnet waren; sie gieng dann auf einen besonderen Beamten über, den masstreseuela.Die Universität umfaßte Schulen aller Grade: in den eseuelas mageres lehrte manTheologie, kanonisches und bürgerliches Recht, Mathematik, xllilosoxllia natural, Moral,Sprachen und Rhetorik; in den inenores: las artes ^ oanonss, Grammatik und Musik;in den minimas endlich die Anfangsgründe der Grammatik. Die Schulen befanden sichin drei schönen Gebäuden, von denen zwei noch heutzutage stehen und der gleichen Be-stimmung dienen.*) Zahlreiche Kollegien erhoben sich nach und nach zur Seite deralma mater, die scholastischen Disputationen blüheten, die spanischen Romanschriftstellerhaben es übernommen, uns eine Vorstellung von der Geistesrichtung und dem Leben derdamaligen Studenten zu geben. Salamanca zählte deren bis 10 000 ; am Ende dessechzehnten Jahrhunderts waren ihrer noch 6000. **) Das Ansehen der Universität warso bedeutend, daß zur Zeit des großen Schismas von Avignon die Päpste Urban undKlemens Gutachten von ihren Doktoren einholten und sich ohne Anstand ihren Entschei-dungen unterwarfen. Christoph Columbus fragte sie um ihre Ansicht über seine Ent-deckungspläne; für den daselbst herrschenden Geist der Aufklärung spricht es, daß sie dasSystem des Kopernikus schon früh im sechzehnten Jahrhundert lehrte, wo es noch fastüberall für häretisch galt.***) Indes überwog doch bald die Scholastik: Durandus undScotus waren Anfang und Ende aller Philosophie, unzählige Theologen und Kanonistendisputierten, ohne andere Bewunderer zu finden, als ihre Magister. Als einen Vertreterder humanistischen Studien erwähnen wir Antonio de Lebrixa (Uiedrissensis), derin Bologna gebildet, später in Salamanca zwanzig Jahre lang die Professur der lateini-schen Sprache bekleidete und seinem Vaterlande das erste Wörterbuch und seiner Mutter-sprache die erste Grammatik geschenkt hat.ch)

Wir wollen die einzelnen Akademieen und höheren Schulen nicht aufzählen, welchenacheinander auf dem spanischen Boden bis zum Ende des Mittelalters sich erhoben.Eine Thatsache, welche Katalonien angeht, ist indessen bemerkenswert. Jaime II., derStifter der Universität zu Lerida (Ileräensis), verbot vergeblich den übrigen Städten

*) Die hohen und niederen Schulen sind in der Umgebung schöner Klöster verteilt; wert-volle Gemälde ans der spanischen und italienischen Schule schmücken einige ihrer Säle (6srmonävelavigns, Itineraire äs l'bispaZne).

**) In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Zahl der Studenten auf ein Tausendherabgesunken; t874 betrug sie etwa 500.

***) Viardot behauptet Nachweisen zu können, daß der Geist der Kritik in Salamanca schonin dem genannten Jahrhundert eingedrungen war. Man habe daselbst eine castilianische Kirchegewollt, wie später Bossuet eine gallicanische wollte. Wie dem auch sein mag, eine Zeit langsieht man am Horizont der Universität allerlei Oppositionsgelllste gegen die Herrschast der Kirchesich erheben. Dies scheint unter anderm auch die geheime Tendenz des Lazarillo de Tormes,welchen der gelehrte Don Hurtado de Mendoza schrieb, als er seine Studien in Salamancabeendete (üspaxns et Lsaux-arts. karis 1868. 12. p. VI et suiv.). Die Inquisition täuschte

sich darüber nicht!

-s) Ticknor an mehreren Stellen.