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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Spanien.

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nicht zu verwundern, daß in der Geschichte des spanischen Volkes scharfe Gegensätze mit-einander ringen und sich in allzu schroffem Wechsel ablösen, namentlich in einer Zeit, wodas Volk nach langem Druck und nirgends sonst erhörter Mishandlung sich zur Selbst-bestimmung erheben und seine edlen Anlagen entfalten möchte. Daß dieses Ziel nichtleicht, nicht ohne Rückschritte und blutiges Widerspiel erreicht wird, ist leicht erklärlich ineinem Volke, dessen sittliche und wirtschaftliche Thatkraft durch die Schätze Indiens nichtbelebt, sondern verwüstet, dessen Äcker zu einem großen Teile in den toten Besitz derKlöster übergegangen, und dessen Geist und Gemüt durch staatlichen und kirchlichen Bannniedergehalten worden ist. Um so wirksamer war dieser Bann, als mit der Vereinigungder spanischen Sonderstaaten zu einem Reiche das Königtum notwendig und mit Erfolgalle Schranken seiner Macht zu durchbrechen strebte, nicht nur diejenigen, welche es bis-lang in den Freiheiten der Stände und der Gemeinden erfahren, sondern ebenso die,welche in dem kirchlichen Leben der Nation, sei es durch die Verschiedenheit der Religionenoder durch die Ansprüche Roms gegeben waren. Einheit der Herrschaft in Staat undKirche: hieraus erklärt sich einerseits, daß die Könige des Landes auch die päpstlicheEinmischung kräftig abwehrten, und andererseits das bis zur Grausamkeit fortgesetzte unddurch die Greuel der Inquisition unterstützte Streben nach nationaler Glaubenseinheit.Beides hat unzweifelhaft die Selbständigkeit und die Eigenart des spanischen Volkes ge-fördert und gehoben, das letztere freilich um einen Preis, der das verhasste Gut weitüberwog. Denn die Austreibung der begabten und fleißigen Moriskos und der Juden,die Unterdrückung jeder Sonderregung im Gebiet des Glaubens und der Kirche, welchesich seit Torquemada und Deza durch Kerker, Verbannung, Scheiterhaufen vollzog,*)lähmten das geistige und gewerbliche Leben der Nation und richtete hier einen ähnlichen,nur noch größeren Schaden an, als ihn Frankreich durch die Ausrottung der Albigenserund die Unterdrückung der Hugenotten erlitten hat. Diese Zwangsherrschaft des Staatesund der Kirche entfaltete sich wesentlich mit dem Ablauf des fünfzehnten Jahrhundertsin und mit den glücklichen Kriegen gegen die Mauren; sie wirkte unheilvoll auf die glück-verheißenden Anfänge der wissenschaftlichen Bestrebungen ein, und wenn die spanischeKunst in einer späteren Zeit zu einer zwar kurzen, aber unvergleichlich schönen und weit-hin anregenden Blüte gedieh, so ist dies nicht einer allgemeineren Befreiung des Volks-geistes, sondern wesentlich der Anregung zu verdanken, welche derselbe durch die großennationalen Unternehmungen des sechzehnten Jahrhunderts empfieng.

Jene Pflege der Wissenschaften, soweit dieselbe eigentlich spanischer Art ist, beginntim wesentlichen mit der Stiftung der ersten hohen Schulen, insbesondere derjenigen zuSalamanca, also im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts; hier wie anderswo hebt diegeistige Förderung der Nation nicht mit der Volksschule, sondern mit dem höheren Unter-richt an.

Die Universität zu Salamanca wurde in den ersten Jahren des 13. Jahr-hunderts von Alfons IX. von Leon auf Grund der dort seit 1179 eingerichteten kirch-lichen Bildungsanstalt gegründet, durch Ferdinand III. von Kastilien und Leon 1243bestätigt und von Alfons X. (ei 8abio, 12521284) mit manigfachen Rechten aus-gestattet, so daß sie fortan den Hochschulen in Paris und Bologna zur Seite trat, die-selben sogar an Zahl der vorgetragenen Wissenschaften überragte. **) Das Streben des

*) Nach Marliani a. a. O. I, S. 52 ff. wurden unter Torquemadas Leitung der In-quisition im ersten Jahre dreihundert vermeintliche Ketzer verbrannl und demnächst 17 000 mitanderen Strafen belegt; unter seinem Nachfolger Deza sind in acht Jahren 38 440 verurteiltund 2592 verbrannt. Das letzte Autodafe fand 1781 statt. Die Zahl der verbannten Judenbetrug 800 000.

") über die Gründung und fernere Entwickelung dieser Universität, wie über ihr Ver-hältnis zu den Päpsten und den Diöcesanbischöfen, finden sich genaue Angaben im XnuarioListorioo-Lstackistioo-Xäministrativo äs 1a Instruooion kublioa sn LopsLa vom Jahre 1874,S. 78 ff. Vgl. Denifle, die Universitäten des Mittelalters bis 1400 (Berlin, 1885) I,S. 478494.