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Spanien.
Übersicht der politischen Entwickelung Spaniens seit 1808. Leipzig 1853. — LI. vloek,v'Loxagns en 1850. knris 1851. — Minutoli, Spanien. Berlin 1857. —varriäo, eontsmxoraine. Lruxslles, 1862. Deutsch von A. Rüge,
Leipzig 1863. — W. Lauser, Die neueste Geschichte Spaniens in der Zeitschrift„Unsere Zeit", Iahrg. 1874—1876 (geht bis zur Erhebung des Königs Alfons). —W. Maurenbrecher, Geschichte der katholischen Reformation. T. I. Nördlingen1880. — Tlr. v r 1 t 2 , Ls<M886 ä'un oourv oomplot ä'öäuontion et ä'inetruetiou.LtraedourZ 1843. t. III. — von lose LI. Viernn8 ^ IIu8taäo, ve^ äe intrueeionxudlien. Llaär. 1868. — ^.nunrio, IÜ8torieo-v8taäi8tioo-J.äm1lli8trativo äeIn8trueeion pübliea, publieaäo por ln vireooion äe In vneeän, 1873. 1874. —Brach elli, Statistische Skizzen der europäischen und amerikanischen Staaten. ZweiteAbt., 6. Aust., 1887, S. 228 fl. —
Das eigentümliche und tiefe Geistesleben, welches sich in Spanien zu verschiedenenZeiten entfaltet hat, wird zum Teil der reichen Natur des Landes, mehr noch der Be-gabung der einzelnen Völkerstämme verdankt, welche einander in der Herrschaft diesesLandes abgelöst haben und, jeder nach eigenartiger und bedeutender geistiger Entwickelung,unter gegenseitiger Befruchtung zu gemeinsamem Leben verwachsen sind. Diese Einwirkunghat schon die keltische Urbevölkerung durch die phönizische und punische Besiedelungerfahren; weit stärker freilich und nachhaltiger ist sie durch die römische Herrschaft aus-geübt, dergestalt, daß die Spanier in der römischen Geisteswelt der Kaiserzeit einen sehrehrenvollen Platz behaupten. Es muß hier die Erinnerung an Martialis, Silius Jtalicus,Pomponius Mela, Columella, vor allen an Seneca und Quintilianus genügen, welcheder römischen Litteratur im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung eine eigentümlicheFärbung verliehen; daß unter ihnen der letztgenannte von hervorragender Bedeutung fürErziehung und Unterricht gewesen, ist in unserem Werke anderweitig ausgeführt.*) Undunter den frühchristlichen Dichtern und Schriftstellern sollen hier nur die Spanier Juvencus,Prudentius und Jstdorus von Sevilla genannt werden. Von entscheidender, bis in dieGegenwart lebendiger Wirkung war die Einwanderung der Westgothen, welche in heißemKampfe mit den Arabern wol zeitweilig zurückgedrängt, aber nicht überwältigt werdenkonnten, bei diesem Ringen jedoch von ihren feingebildeten Gegnern gar vieles angenommenhaben, was ihre eigene Entwickelung gefördert hat. Selbst die zahlreichen Juden bildeneinen lebendigen Bestandteil der spanischen Volksgeschickte, da sie hier ihre Geistesartfreier und reiner ausbilden durften, als ihre Glaubensbrüder in dem östlichen Europa.Welch' reife Frucht diese Völkermischung getragen, erhellt aus einem Vergleich mit demstammverwandten Portugal, dessen geistliche und staatliche Geschichte nicht ohne schöneBlüten geblieben, aber weit einförmiger verlaufen ist, als in dem größeren Nachbarstaats.
Zu völlig einheitlicher Verschmelzung sind allerdings diese Völkerschichten, die ja seitlangem staatlich geeinigt in der Gegenwart eine gemeinsame Farbe tragen, - nicht gediehen:die Basken, die Katalanen und die Bewohner des Südens haben sich lange Zeit, wennnicht noch jetzt, stärker von einander unterschieden, als die Einzelstämme in Deutschlandoder Frankreich. **) Und es mag hieraus erklärt werden, daß die eommuneroo widerholtin der staatlichen Entwickelung, sei es zu bestimmender oder störender Geltung gelangtsind. Eben diesem Völkerwechsel wird die Erscheinung nicht fremd sein, daß dem spani-schen Geistesleben die Stetigkeit der Fortbildung mangelt; Marliani a. a. O. S. 29bemerkt mit Grund, daß namentlich die hohe Blüte der spanischen Dichtung und Malereisich in einen kurzen Zeitraum zusammendränge, ohne eigentliche Vorgänger oder Nach-folger gehabt zu haben.
Halten wir diese Thatsachen mit der heißen Natur des Landes zusammen, so ist
*) Vgl. Bd. VI. S. 560.
**) Llarliani bistoirs politigus äs IVspagns moäerne bemerkt I, 21 für d. Jahr 1841,daß die Spuren der arabischen Herrschaft in den südlichen Provinzen noch immer sichtbar seien.