Spanien.
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Entwickelung des Verstandes und seiner Leistungen verbunden mit einer relativen Gering-schätzung dieses Gebietes gegenüber dem Sittlichen. Ebenso stellt Vives allen Einrich-tungen und Zuständen des bürgerlichen Lebens das ewige Leben in Gott als allein wahr-haft wertvoll gegenüber, befreit aber gerade dadurch den Geist von aller Überschätzungdes Gegebenen und Bestehenden und ruft durch einfache Anwendung der schlichtestenGrundbegriffe von Recht und Wahrheit einer Fülle von Reformen. Je mehr das Idealdem diesseitigen Leben entzogen und in das Jenseits verlegt wird, desto mehr bleibt fürdie Ordnung aller menschlichen Dinge in Schule und Leben das schlichte Nützlichkeits-princip maßgebend. Mit diesem tritt Vives an die Spitze aller „Neuerer" in derPädagogik bis auf Pestalozzi herab, bei welchem mit dem Begriff der Volkserziehungein wesentlich anderes, den „Neueren" gegenüber ein neuestes Princip in die Pädagogikeintritt. Man darf sich nicht dadurch irre machen lassen, daß mit Locke und Rousseaudas Nützlichkeitsprincip getrennt von dem transscendenten Faktor des religiösen, im Jen-seits wurzelnden Lebens anftritt. Sie sind Männer einer Übergangszeit, welche dasNützliche sucht und dabei vergessen hat, wozu aller Nutzen nützen soll. Die starke Tren-nung des Jenseitigen und Diesseitigen, welche der Reformationszeit noch als Vermächtnisdes Mittelalters eigen war, paßte nicht mehr zu der Denkweise der Gebildeten, und zueiner durchgreifenden Neuschöpfung auf dem innersten Gebiete des geistigen Lebens fehltediesen Kreisen die Kraft und der ideale Sinn. Anders gestaltete sich die Sache inDeutschland, wo seit der zweiten Hälfte des l8. Jahrhunderts in unserer klassischenLitteratur, wie in unserer Philosophie eine Richtung hervortrat, welche sich der immanentenWeltanschauung des klassischen Altertums zu nähern sucht, ohne den Boden des Christen-tums aufzugeben. Mag auch im Kampfe wechselnder Zeitströmung bald die eine, balddie andere Seite, bald die hellenische, bald die echt christliche stärker hervortreten, so zeigtsich doch stets nach einiger Zeit, daß der deutsche Geist, wie er sich unter dem Einflußder großen Epoche von Lessing bis auf die Dichter der Befreiungskriege gebildet hat,weder den einen noch den anderen dieser Faktoren mehr entbehren kann, während dieplatte und poesielose Verständigkeit langsam aber dauernd an Boden verliert. ZwischenVerstand und Sittlichkeit will der Sinn für das Schöne und Erhabene vermittelnd ein-treten und an die Stelle des vagen Nutzens tritt wider das Ideal. Ob es nun beidieser Wellenbewegung, wie wir sie im Gegensatz unserer klassischen und romantischenPeriode hinter uns sehen, sein Bewenden habe, oder ob eine höhere Einheit diese Gegen-sätze verschmelzen werde: jedenfalls scheint uns die Periode abgeschlossen, für welche manin allen neueren Entwickelungen den Keim und gleichsam die Ursprungsquelle in jenemGedankenkreise suchen durfte, den Vives so früh und so energisch beherrscht. Die Gegen-wart wird nicht mehr geneigt sein, an Vives unmittelbar anzuknüpfen; um so entschiedeneraber gebürt ihm sein Platz in der Geschichte der Pädagogik, wie in der Geschichte derWissenschaften und der modernen Bildung. A. Lange ch.
Spanien. Litteratur: Lodott, Oisxania illustrata. Oransol. 1603, lol-,besonders tom. II, p. 408: „Os aoaäsmiis litsratisgus viris Oispanias axologstieanarrativ rLllonsi Oassias Natamori Oisxalsnsis, rbstoris Oomplntsnsis." — H.Baumgarten, Geschichte Spaniens zur Zeit der französischen Revolution. Berlin1861. — Oc> 2 n, Oistoirs äss Llnsnlmans ä'OspaZns- OsMs 1861, 3 voll. —Dsp ging, Oss .luits «laus ls moxsn ags. Ornxsllss, 1844. — Osnan, ^.vsrroisst l'^vsrroisms. Oaris, 1852. — Oas sists xartiäas äsl II6)' Ocm Nikonso sl8abio. Naäriä 1807, heransgegeben von der Rsal ^oaäsmia äs Oistoria. — Tickner,Geschichte der schönen Litteratur in Spanien. Deutsch von Julius, Leipzig 1852. —V^siss, O'Ospagns äspnis Olälixxs II. Ornxsllss, 1845. 2 voll. — Osbkuss,O'Ospagns sn 1808. Paris 1811, mit dem Studienplan Karls IV. — N. äsDlarliani, Oistoirs politigns äs l'Ospagns moäsrns. Oaris 1841, 2 voll. —Spanien seit dem Sturze Esparteros bis auf die Gegenwart (1843—1853), nebst einer