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9 (1887) Spanien - Vives
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Vives.

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dium der Medizin an der Straßburger Akademie bestritten wird mit den Vorlesungeneines einzigen Professors über die ars parva Oalsni und die parva naturalia tLristotslis(v. Raumer I. S. 291, 3. Aust.).

Man kann mit Recht die Frage aufwerfen, warum Sturm Vives nirgends anführt.Selbst wenn man alle jene Übereinstimmungen, die sich leicht noch um viele sprechendeZüge vermehren ließen, auf ein zufälliges Zusammentreffen zurückführen wollte, kannman doch nicht annehmen, daß Sturm Vives nicht gekannt habe. Als Sturm in Löwenstudierte, hatte Vives diese Stadt erst vor kurzem verlassen und fast alle hervorragendenHumanisten, mit denen Sturm dort zusammentraf, mußten Vives kennen. Auch ist nichtanzunehmen, daß ein Mann wie Sturm später das Aufsehen machende Werk Do äis-eiplinis nicht gelesen habe. Es ist aber freilich ein gemeinsames Schicksal aller encyklo-pädischen Schriftsteller (vgl. z. B. Alsted, den Lehrer des Comenius, der ungemeingewirkt hat, während ihn fast niemand nennt), mehr benutzt als citiert zu werden.

Dann war zur Zeit, als Sturms Schulschriften entstanden, schon die Periode des ärgstenKonfessionshasses eingetreten, so daß z. B. der Rektor Freigius sich wegen seinerBegeisterung für den katholischen Vives unter Hinweis auf dessen echte und lautere

Frömmigkeit verteidigt. Dazu kommt, daß Sturm, so sehr auch Vives auf ihn Einfluß

gewann-» im ganzen für diesen schwerlich sehr eingenommen war. Das Bedeutendste in

Vives' Leistungen verstand er nicht und im Stil fühlte er sich ihm nicht nur weit über-legen, sondern er mußte den von Vives eingenommenen Standpunkt in Beziehung aufdie Behandlung des Lateinischen für einen verkehrten und nachteiligen halten. Zudemhatte Sturm mit vollem Recht das Bewußtsein eigner Schöpferkraft in Beziehung aufdie Gestaltung des Schulwesens und in solchen praktischen Dingen ist das Zitieren wenigerüblich, als auf eigentlich wissenschaftlichen Gebieten. Es kann sogar sein, daß sich Sturmbei seinem eigenen Schaffen gar nicht einmal immer der früher empfangenen Anregungengenau bewußt war.

Über das Verhältnis von Vives zu späteren Pädagogen nur wenige Worte. Wirhaben bereits angedeutet, daß Ratichs Methode sich als eine Anwendung des von Vivesaufgestellten induktiven Princips auf die Grammatik auffassen läßt; nun mag immerhinBacon unmittelbar auf Ratich gewirkt haben, wie von Raumer annimmt, so wird da-durch die Bemerkung nicht aufgehoben, sondern nur bestätigt, daß auch zu dieser Neuerungbei Vives schon der Keim zu finden ist. Bei Comenius wissen wir sicher, daß Bacongroßen Einfluß auf ihn hatte; gleichwol bezieht sich gerade auch Comenius auf eine vonVives erhaltene Anregung. Beiläufig sei hier bemerkt, daß Comenius Vives keineswegsnur seinen Realismus verdankt, sondern daß er ihn vielfach, namentlich auch in ethischenFragen, benützt und zitiert. Besonders merkwürdig ist darunter eine Stelle aus demAnfang des 5. Kapitels deräiäaotisa magna" (bei Leutbecher, Comenius Lehr-knnst, S. 29), wo Comenius entwickeln will, daß der Mensch von Natur zur Gelehr-samkeit, Tugend und Pietät angelegt sei. Er bemerkt hier, daß er unter Natur dieerste, ursprüngliche Anlage verstehe, wie sie vor dem Sündenfall war und zu welcherwir wider zurückkehren müssen. Dabei beruft er sich auf eine Stelle bei Vives, äseonooräia st äisooräia 1. I. (die Stelle findet sich V. S. 201. Naf.), in welcheres heißt, der Christ sei nichts anderes, als der seiner Natur widergegebene Mensch. Inder That redet Vives, wie nach ihm Comenius, in diesem Sinne öfter von der Natur-anlage des Menschen zum Guten, und wiewol beide dabei die Lehre vom Sündenfallund der Erlösung Vorbehalten, so liegt darin doch in etwas eine Vorbereitung des spätervon Rousseau eingenommenen Standpunktes. Rousseau hat ja auch eine Art vonSündenfall: die von der menschlichen Gesellschaft eingeschlagene falsche Entwickelungs-richtung. Er will freilich durch die Erziehung allein, zunächst den einzelnen, aus dieserfalschen Richtung befreien; Vives setzt die Erlösung durch Christus und den Glaubenan ihn bei seinem Erziehungsgeschäfte voraus; im übrigen aber ist gerade der Gedankeeiner Reform der Gesellschaft, einer Beseitigung der durch die von Gott abgefalleneMdag. SuchNopädie. IX. 2. Ausl. 54