Vives.
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Einfluß üben, aber nicht unmittelbar in sie übergehen kann. Sturm wollte ferner, daß dieSchüler nicht, oder nur in seltenen Fällen zum Fleiße gezwungen würden; der gute Wille,Lust und Liebe zu den Wissenschaften, seien die Hauptsache. Dies ist wider ganz Vives;nur daß dieser in der Regel auch der Schule die Fähigkeit zutraut, diese Gesinnung zuerwecken, und daß er sich daher besonders eingehend mit der Frage befaßt, wie dies bewirktwerden könne. Alle diese Lehren haben bei Vives die volle Frische der Ursprünglichkeitund tragen die Spuren einer tief durchdachten psychologischen Begründung; so z. B. wenner ausruft (äs traä. äiso. III. ss. oben)) „miras lidsrtatis sst llumanum Inge-nium etc." Auch in der Begünstigung von Erholungen, Spielen und Leibesübungenstimmt Sturm ganz mit Vives überein. In der Theorie scheint nach einigen Äuße-rungen Sturms dieselbe Übereinstimmung auch hinsichtlich der Anwendung von Lobsprüchenund der Benützung des jugendlichen Ehrgeizes zu bestehen (vgl. Kückelhahn S. 80 unddie dort angeführten Stellen); hier ist aber keinem Zweifel unterworfen, daß der prak-tische Schulmann sich durch die Ergiebigkeit dieses bedenklichen Erziehungsmittels verleitenließ, bedeutend über die von Vives gezogenen Grenzen hinauszugehen, wie es ja in nochhöherem Grade auch die Jesuiten thaten, so daß in dieser Beziehung Sturms Schulezwischen Vives und den Jesuiten die Mitte hält. In der genauen Methodologie desgrammatischen und rhetorischen Unterrichts sind es namentlich drei Punkte, in welchenSturm in auffallender Weise mit Vives übereinstimmt: die vorzügliche Sorgfalt für einereine und echt römische Aussprache des Lateinischen, die Kollektaneenbücher und die Lehrevon der Imitation, wenn man die letztere bei Sturm nicht nach der Darstellung vonRäumers, sondern vielmehr in einem möglichst günstigen Sinne auffaßt. Was die Aus-sprache betrifft, so verweisen wir hier einfach auf die Stelle äs traä. äiso. III. vol. VI.S. 312 f. sä. Na)., womit man Kückelhahn S. 87 vergleichen mag. Die Kollektaneen-bücher (Diarien), welche Kückelhahn für einen besonders wichtigen und originellen Bestand-teil der Sturmschen Methode zu halten scheint, finden sich bei Vives (a. a. O. S. 310)so eingehend beschrieben, daß man sich leicht nicht nur von der Übereinstimmung desGrundgedankens überzeugt, sondern auch davon, daß die Sturmsche Einrichtung nur eineunbedeutende Änderung der von Vives vorgeschlagenen ist. Hinsichtlich der imitativ dürftefreilich ein Zweifel bleiben, ob der neueste Bearbeiter der Sturmschen Pädagogik hiernicht mit seiner Zurückweisung des Tadels, den von Raumer an dieselbe geknüpft hat,zu weit geht. Wenn es sich um die unverfälschte Lehre von der imitativ handelte, wiewir sie bei Vives finden, so würden freilich alle jene Vorwürfe in nichts zerfallen.Vives bekämpft (äs eanss. oorr. artinm IV. v. 4, VI. S. 171 ff. sä. Na).) die„Dohlenstreiche" (bekanntlich von Räumers Ausdruck) auf das entschiedenste und zeigtgegenüber dem „ssrvum xsvus" der neueren Imitatoren an Beispielen, wie die Altenselbst nachgeahmt haben, z- B. Virgil den Homer oder den Ennius. Da ist die Nachahmungstets ein wetteiferndes Bestreben, bei ähnlichem Anlaß, mit einem keineswegs mühsamverborgenen Anklang an die Wendungen und Worte des Vorgängers, die Sache selb-ständig, neu und womöglich besser als jener zu machen; auf alle Fälle aber ganz denbesonderen Forderungen der eigenen Aufgabe gerecht zu werden und dabei mehr dem Geistund der Technik des Vorbildes zu folgen, als sich den toten Stoff anzueignen. Dementsprechend giebt dann Vives (äs traä. äiss. IV. s. 4, VI. S. 361 ff. sä. Na).)im positiven Teile seines Werkes eine sehr eingehende Anleitung zur echten imitativ, vollseiner Bemerkungen und mit großem pädagogischen Takte. Es verlohnte sich wol derMühe, dieselbe ganz der Sturmschen gegenüberzustellen, um zu zeigen, wie viel innerlicherund stetiger vom richtigen Princip heraus Vives die Sache erfaßt hat. Sturm konntehier unmöglich Vives gänzlich folgen, ohne den einseitigen Ciceronianismns aufzugeben,der seine ganze Schule beherrscht, und in dem er sich stark fühlte. Er spricht daher auchvon der „wahren" Imitation gegenüber der falschen, will natürlich nicht zum „ssrvumxeons" gehören und stellt einige Forderungen auf, welche in der That seine Theorie voneiner Theorie der Dohlenstreiche wesentlich unterscheiden; so namentlich wenn er verlangt,