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9 (1887) Spanien - Vives
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Vives.

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gedeiht am besten in freien Staaten und wird von tyrannischen Herrschern unterdrückt.Die Erziehung soll Männer bilden, welche imstande sind, das Gute nicht nur zu er-kennen und zu lehren, sondern auch nachdrücklich zu empfehlen und zur Geltung zubringen. Daher muß vor allen Dingen bei denen, welche bestimmt sind, eine leitendeRolle im Staate zu spielen, ein guter Grund für die eigene Gesinnung gelegt werden;zugleich aber müssen sie systematisch zur vollen Entwickelung der Geisteskraft und derRedekunst geführt werden. Die Fürsten, wie überhaupt die Großen im Staat und inder Kirche sind fast durchweg verdorben durch eigene Selbstsucht und durch Schmeichelei.Das Princip des Friedens und des .Gehorsams verbietet uns, ihnen mit anderen alsmit geistigen Waffen entgegenzutreten, aber diese soll der gebildete und für das Gute be-geisterte Mann um so eifriger gebrauchen, um Wahrheit an die Stelle von Heucheleiund Schmeichelei zu bringen und das Gewissen der Machthaber zu wecken. Vorzüglichwünschenswert ist es, den Kindern der Großen richtigere Ansichten vom Leben und vonden wahren Gütern beizubringen; aber auch das Volk soll man nicht vernachlässigen,welches unsere Lehren oft dankbarer aufnimmt, als die Fürsten. Das Recht, welchesin seiner jetzigen Gestalt nur zu sehr der Bosheit und den Ränken Vorschub leistet,bedarf einer gründlichen Reform im Sinne einfacher, volkstümlicher, jedermann bekannterGesetze, welche unerschütterlich auf dem Grunde des Naturrechtes ruhen. Hieraus ergiebtsich, daß in der Erziehung, im Haus und in der Schule, nicht nur mit unnachsichtlicherStrenge den falschen Begriffen von Größe und Herrlichkeit entgegengewirkt und Erkenntnisder wahren Güter an die Stelle gesetzt werden muß, sondern daß die Schüler auch schondurch die Sitte und Ordnung der Schule und durch den herrschenden Ton des Verkehrszwischen Schülern und Lehrern zum Besseren gewöhnt werden müssen. Die Schule muß,wie ein kleiner Staat, durch bessere Grundsätze ein Vorbild und eine Stätte der Ge-wöhnung für das spätere Leben werden. Daher wird unter den Schülern kein Ansehender Person nach Reichtum oder Macht der Eltern geduldet, sie sollen einander alle wieBrüder lieben und nur Auszeichnung in den Leistungen soll geachtet werden, aber nichtzum Gegenstand eitler Ruhmsucht ausarten. Man soll den Schülern kleine Ämter geben,um sie in der Pflichterfüllung gegenüber der Gesamtheit zu üben, allen Anlaß zumStreiten, zur eitlen Rechthaberei soll man vermeiden und nichts so sehr demütigen, alsden Hochmut der Unwissenheit und Eitelkeit.

Die Wissenschaften sind durch die gleichen Übel verdorben, wie die Gesellschaft.Der Herrschsucht im Staate entspricht die Autoritätssucht in der Wissenschaft; der feigenAnbetung der Gewalt entspricht das blinde Nachsprechen und Schwören auf die Wortedes Meisters. Aus den Kenntnissen oder der dialektischen Fertigkeit bereitet man sichpersönlichen Ruhm und die Genugthuung, andere zu übertreffen. Daher wird der Scheinund der äußere Erfolg über den Zweck der Wissenschaft gesetzt. Die Streitsucht, welchedie Staaten zerrüttet oder wilde, verwüstende Kriege anfacht, richtet in der Wissenschaftnicht geringere Verwüstungen an. Alles wird zu einem hohlen Formelwesen herabgedrückt;der Inhalt schwindet, der Geist der Forschung flieht vor dem Geiste der Eitelkeit undRuhmsucht. Haß der Parteien durchtobt die Hörsäle, das Zusammenwirken zur Förderungder Erkenntnis wird von der Disputiersucht unmöglich gemacht. Diesen Übeln mußalso die Erziehung schon aus sittlichen Gründen entgegentreten und zwar mit denselbenMitteln, durch welche eine Reform des Staates von der Erziehung aus angestrebt wird.Der Triumph über andere, der große Name, das blendende Ansehen sind überhauptkeine würdigen Gegenstände menschlichen Strebend. Es muß gleichgültig sein, durch wendie Wahrheit gefördert wird, wenn sie nur überhaupt gefördert wird. Die Liebe zurSache muß jene gehässigen Persönlichkeiten zurückdrängen; reine Freude ain Studiumselbst und an der Förderung unserer Erkenntnis muß als ein Gut betrachtet werden, vashoch über allem Scheinwesen jener streitsüchtigen Schulweisheit steht. Aber auch sachlichbedürfen die durch und durch verdorbenen Wissenschaften der Reform. Das Wissen, sosehr es auch neben dem religiös-sittlichen Leben an Wert und Bedeutung zurücksteht und