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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Vivcs.

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sei, da neuerdings eine Anzahl von Emporkömmlingen die Frechheit haben, gestützt aufihren Reichtum, die alten Geschlechter an Glanz zu überbieten und ihnen den Vorrangstreitig zu machen. Weiterhin äußert er, daß der Lohn für eine gelungene Leistung desFlexibulus darin bestehen werde, daß die Familie ihn unter ihren besonderen Schutznehmen und ihm mit der Zeit irgend eine Wolthat zuwenden werde. Sehr fein charak-terisiert Vives die innere Rohheit dieser vornehmen Bildung mit dem kleinen Zuge, daßder Knabe dieses Versprechen des Schutzes im Verlauf der Unterredung noch mehrmalsin Erinnerung bringt, was Flexibulus mit kühler Ironie aufnimmt. Um den Knabenauf den richtigen Weg zu bringen, knüpft Flexibulus an die Höflichkeitsbezeugungen anund sucht zu zeigen, daß dies doch nur äußere Zeichen seien für ein Inneres, auf dases ankomme; aber hier stößt er auf kein Verständnis. Wissenschaftliche Bildung glaubtGrympherantes nicht nötig zu haben, weil seine Vorfahren ihm genug Vermögen hinter-lafsen haben. Wenn dies aber auch nicht der Fall wäre, so würde er sein Fortkommennicht auf so gemeinem Wege suchen, sondern mit Schwert und Lanze. Von den Tugendender Rechtschaffenheit, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung weiß der junge Adelige nichts,als daß er bisweilen davon hat predigen hören. Auf mühsamem Wege, auch hier mitHilfe der sokratischen Induktion, wird dem Knaben dann endlich beigebracht, daß die vonihm gelernten Höflichkeitsbezeugungen Zeichen innerer Bescheidenheit und Mäßigung sindund daß durch sie keine wahre Ehre erlangt werden kann, wenn man nicht bestrebt ist,auch zu sein, was man scheinen will. Dann giebt es noch einmal einen heftigen Rück-fall, als Flexibulus ihm beibringeu will, wasgut" ist. Der Knabe hat darüber seinefeste Meinung: von guten Eltern abzustammen. Die Frage, woher man denn wisse,daß diese gut seien, nimmt er als beleidigenden Zweifel auf. Darauf tritt nun aberauch Flexibulus anders auf, wirft dem Knaben seine völlige Unwissenheit vor und ent-wickelt ihm in kurzen, scharfen Zügen den Unterschied zwischen dem wirklich Guten unddem eitlen Schein der vornehmen Welt so schlagend, daß der Knabe beschämt und ver-wirrt ist. Das Eis ist gebrochen. Der Begleiter, Gorgopas, hat von dieser ganzenRede nichts begriffen, aber der Knabe, in welchem das Böse noch nicht so eingewurzeltist, spürt, daß eine völlige Änderung mit ihm Vorgehen muß. Flexibulus will aber fürdiesmal nicht weiter gehen. Er entläßt ihn mit der Mahnung, über das Gehörte weiternachzudenken, nnd ermahnt ihn, vor allen Dingen sein neues Leben damit anzufangen, daßer nicht mehr sich selbst für besser halte als alle anderen, sondern gerade uingekehrt.Wenn er so beginne, werde er die wahre Bildung erhalten, die ihn bei allen Menschenbeliebt mache; aber darnach werde er dann nicht mehr viel fragen: seine einzige Sorgewerde sein, Gott wolzugefallen.

Im folgenden Dialog erzählt der junge Grympherantes einem Freunde, den VivesBudäus nennt, die Geschichte seiner Umwandlung und berichtet ihm über die weiterenLehren, welche er von Flexibulus erhalten habe. Dies führt zu einem vollständigenkleinen Grundriß der wichtigsten ethischen Lebensregeln für Schüler, wobei die dialogischeForm nur noch eine geringe Zuthat ist. Ohne Zweifel hat Vives mit diesem Abschlußseines Schulbuchs einen pädagogischen Zweck verbunden, daher wir hier noch einen kurzenÜberblick dieser Lehren, mit Beiseitelassung des Dialoges, geben wollen. So selbstverständ-lich auch die Lehren an sich sind, so spiegelt sich doch in ihrer Zusammenstellung, Ord-nung und Betonung eine originelle und charaktervolle Pädagogik. Die erste Bedingungzur Erlangung wahrer Bildung ist, daß jeder von sich selbst nicht stolz denkt, sondernbescheiden und demütig. Sodann soll er darnach trachten, seinen Geist mit Kennt-nissen und Übung der Tugend zu bilden. Dem Gottesdienst soll der Schüler mitgrößter Aufmerksamkeit und Ehrfurcht beiwohnen; alles, was er dort sieht, soll er fürgroß, herrlich, göttlich und seine Fassungskraft übersteigend ansehen. Im Gebet soller sich häufig Christus empfehlen und auf ihn alle seine Hoffnung und sein Vertrauensetzen. Den Eltern soll er gehorsam sein, ihnen dienen und nach Kräften beistehen.Den Lehrer soll er verehren und lieben wie einen Vater, nicht des Körpers, sondern,