er ihnen nicht gehorche, so werde er zum Sklaven der Laster, die ein härteres Regimentführen, als irgend ein schlechter Mensch. Philipp hat diese Rede nicht recht verstanden,während ihm dagegen alles, was Morobulus sagt, vollkommen klar gewesen ist. Sopho-bulus rät ihm dann, mit der Entscheidung zu warten, bis sein Urteil durch Alter, Bil-dung und Erfahrung gereift sei. Er schlägt ihm dann ebenfalls vor, die Bücher nunwegzuwerfen und ein Spiel zu machen, in welchem Philipp König sei und alle andernihm gehorchen. Philipp will die Regeln dieses Spiels wissen, worauf Sophobulus aus-ruft : Wie, liebster Philipp, in einem Spiel, wo nichts daran liegt, wenn ein Fehler vor-kommt, willst du nicht König sein, ohne das Spiel zu kennen; dagegen willst du im Ernstdie Herrschaft über große Reiche übernehmen, ohne etwas zu wissen vom Zustand derVölker, der Gesetze, der Verwaltung? Darauf ruft Sophobulus dem Diener zu, ermöge dem Philipp das feurige, wilde neapolitanische Roß satteln. Philipp will stattdessen ein sanfteres Pferd, da er jenes noch nicht regieren könne. Auch hier folgt dieleicht begreifliche Nutzanwendung. Dann wird eine Kahnfahrt vorgeschlagen, bei welcherPhilipp das Steuer führen soll; der Schluß ist derselbe. Nach dieser Vorbereitung mitsokratischer Induktion wird sodann der Schluß gezogen, daß es für seine zukünftige Be-stimmung eines sehr ernsthaften Studiums bedürfe. Er müsse sich mit Männern wiePlato, Aristoteles, Cicero, Sencca, Livius und Plutarch unterreden können und dazudiene das Studium der Sprache als Vorbereitung. Nach der kurzen Mühe der Über-windung der Schwierigkeiten werde eine Lust folgen, von welcher diejenigen keine Ahnunghaben, welche so vor dem Studium zurückschrccken. Den weiteren Verlauf des Dialogs,in welchem Sophobulus das letzte Wort behält, können wir übergehen. Inhaltlichersind die beiden letzten Dialoge der Saminlung, welche freilich auch durch diese lehrhafteTendenz die dramatische Lebendigkeit und Natürlichkeit einbüßen, welche den meisten dieserUnterredungen sonst eigen ist. Die Überschrift dieser letzten Dialoge lautet: n^äueatio"und nkraseoxta oäuoationis." Im ersten kommt ein vornehmer Knabe, den Vives Grym-pherantes nennt, begleitet von einem mit allen Standesvorurteilen erfüllten jungen Manne,zu dem weisen Flexibulus, dessen Unterricht er auf Geheiß seines Vaters genießen soll.Der Begleiter, Gorgopas, nimmt zuerst gewaltigen Anstoß an der ungebundenen Art,wie Flexibulus den vornehmen Knaben begrüßt und behandelt. Der Knabe bekennt, daßseine Verwandten ihn gelehrt haben, gegen jeden als Herr aufzutreten, niemanden alsFreund zu behandeln. Ironisch redet ihn nun Flexibulus mit „äomine" und „oxeollontiatua" an und fordert ihn auf, die Grundsätze zu entwickeln, welche man ihm bisher ein-geprägt habe. Ganz unbefangen geht der Knabe darauf ein. Vor allen Dingen hatman mich gelehrt, daß ich von edelster Abkunft sei und daß meine Familie keiner andernin dieser ganzen Provinz nachstehe. Deshalb müsse ich mich sorgfältig hüten, nicht ausder Art zu schlagen und der Tugend meiner Vorfahren keine Schande zu machen. Jenehätten sich große Ehre dadurch erworben, daß sie niemandem an Rang, Würde, Ansehen,Titel hätten weichen wollen; ebenso müsse ich handeln. Wenn einer mir meine Ehrekürzen wolle, müsse ich sofort mit ihm kämpfen; mit dem Gelde müsse ich verschwenderischumgehen, mit der Ehre sparsam. Gleichwol stehe es mir gut an, vor andern aufzustehen,,ihnen den Vortritt zu gestatten, das Geleit zu geben, den Hut vor ihnen abzunehmen,das Knie zu beugen; nicht als ob irgend jemand diese Ehre von mir in Anspruch nehmenkönne, sondern um dadurch die Gunst der Leute zu gewinnen, dem Volk zu gefallen undmir jene Ehre zu verschaffen, die wir immer im Munde führen und im Herzen tragen.In dieser Erziehung bestehe der Unterschied zwischen dem Vornehmen und dem Gemeinen,daß jener dazu gebildet und gewöhnt sei, dies alles mit Anstand warzunehmen, währendder Gemeine nichts von diesen Dingen gelernt hat. Ebenso unbefangen gesteht der Knabe,daß ihm diese Erziehung vortrefflich scheine und daß er gar nicht wisse, was ihm nochfehle. Er sei nur auf den bestimmten Befehl seines Vaters gekommen und bitte ihnnun, wenn er noch irgend ein Geheimnis wisse, wodurch sich noch mehr Ehre erlangenlasse, ihm dies zu enthüllen. Er verhehlt schließlich nicht, daß dies sehr wünschenswert
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