Vives-
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Leben in Schule und Haus, auf dem Markte und in der Werkstätte mit sich brachte, inbestimmten, nicht etwa bloß umschreibenden lateinischen Ausdrücken zu bezeichnen, und istdabei zwar mit Fleiß und Umsicht, aber auch mit großer Kühnheit zu Werke gegangen.Was sich nur immer in den technischen Schriften der Alten von Ausdrücken für Gegen-stände des täglichen Gebrauchs auftreiben ließ, hat Vives hervorgesucht und den Dingenund Verhältnissen seiner Zeit angepaßt. Wo das Lateinische nicht ausreichte, griff er zumGriechischen und hier und da erlaubte er sich sogar ein Wort nach der Analogie selbstzu bilden. Dies ist ihm von einzelnen Philologen, wie z. B. von seinem LandsmanneSanctius (dem Verfasser der „Minerva") sehr verübelt worden, aber in der That wares der allein richtige Weg, so lange man die Forderung des Lateinsprechens in allenihren Folgerungen aufrecht erhalten wollte. Dazu kommt, daß Vives im Stoff und derBehandlung seiner Dialoge ungefähr die Mitte hält zwischen Erasmus, der von Geistund Leben sprudelt, alles berührt, aber den pädagogischen Standpunkt total verleugnet,und Cordier (vgl. d. Art. Calvin), der sich fast ganz im engen Kreise der Schuleund des täglichen Schülerlebens bewegt. Diese Eigenschaften gaben Vives überall denVorrang, wo man das Lateinsprechen noch ganz im Sinn der Humanisten (oder auch indem mvdificierten Sinne der Jesuiten!) zu treiben versuchte; sobald aber das Latein zurbloßen Schulsprache wurde, fand inan Vives zu schwierig. Die Ausgaben mit Anmer-kungen erscheinen als eine Bekämpfung dieser Schwierigkeit, die man bereits lebhaftempfand. Hundert Jahre später, als Vives in den romanischen Ländern noch stark be-nützt wurde, war er in Deutschland wol überall von den Lehrplänen verschwunden. InNürnberg benutzte man um 1699, wie aus Feuerleius Geschichte des NürnbergerGymnasiums hervorgeht, die Gespräche von Cordier, der im 16. Jahrhundert zwar auch,zumal in Frankreich, weit verbreitet war, aber doch bei weitem nicht so allgemein geschätztwurde, wie Vives.
Der Inhalt der Dialoge ist in doppelter Hinsicht von pädagogischem Interesse:einmal sofern er uns ein lebhaftes, durchaus sachlich gehaltenes Bild von den Schul-zu ständen jener Zeit und dem Leben und Treiben der Schüler gewährt, sodann aberauch durch das pädagogische Ziel einzelner dieser Unterredungen. Wir können hier nurnoch die letztere berücksichtigen und heben daher die hauptsächlich hierher gehörigen Dialogebesonders hervor. Sie beziehen sich sämtlich in erster Linie auf den Gegensatz zwischender höfischen und vornehmen Erziehung nach rein weltlichen Grundsätzen und nach denVorurteilen des Adels- und Fürstenstandes und dem gegenüber einer wahrhaft sittlichenund christlichen Erziehung. Selbstverständlich kommen dabei auch ethische und pädagogischeLehren von allgemeiner Bedeutung mit zum Vorschein. Wir müssen uns dabei erinnern,daß Vives nicht nur seine pädagogischen Erfahrungen hauptsächlich in solchen Kreisen ge-sammelt hat, sondern daß auch die Dialoge dem Prinzen Philipp, nachmaligem KönigPhilipp II., gewidmet sind, woraus die irrtümliche Meinung entstanden ist, Vives seider Lehrer dieses Prinzen gewesen. In dem Dialoge „prluosxs xuor" erscheint Philip-pus selbst mit zwei Begleitern, Morobulus und Sophobulus, welche das böse und gutePrincip darstellen. Der Ratgeber zur Thorheit trifft den Prinzen beim Lesen und Aus-wendiglernen und bedauert ihn, daß er sich so viel Mühe damit gebe, statt wie anderePrinzen und Adelige seine Zeit hinzubringen mit Reiten, Tanzen, Fechten, mit den Mäd-chen des Hofes plaudern, Kartenspielen, Ballschlagen und andern Leibesübungen. Auf dieFrage des Prinzen, ob denn das wissenschaftliche Studium nichts nütze, antwortet er, eshabe wol seinen Nutzen, aber nur für zukünftige Priester oder für solche, die ihrenLebensunterhalt damit zu gewinnen suchten, wie ein Handwerker durch sein Gewerbe.Der Prinz widersteht der Versuchung, die Bücher gleich liegen zu lassen, unter Berufungauf den Befehl seines Erziehers Stunica und seines Lehrers Siliceus. Während derVerführer ihn gegen diese Männer aufhetzt, die doch eigentlich nur seine Unterthanenseien, tritt Sophobulus hinzu und zeigt, daß Erzieher und Lehrer ihm vom Vater bei-gegeben sind, nicht um ihn zu knechten, sondern um ihn wahrhaft frei zu machen. Wenn
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