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9 (1887) Spanien - Vives
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Vives.

und der Zweck des Briefes auf die ganze Behandlungsweise haben müssen. Bezeichnendist noch für seinen Standpunkt, daß er gelegentlich auch auf Briefe in den modernenSprachen Rücksicht nimmt und daß er auch hier, wie übrigens noch mehr in der Schriftäe ratiouo äioenäi, seine Neigung verrät, jede Frage womöglich vorab geschichtlichzu behandeln. So wird z. B. der Brauch, den Brief zu unterzeichnen, statt seinen Namennach Sitte der Alten gleich in der Überschrift zu nennen, aus der Nachäffung der fürst-lichen Unterschriften unter den Diplomen abgeleitet. Auch sein moralisches Urteil läßtVives an geeigneter Stelle nicht vermissen. So eifert er z. B. heftig gegen dietrüge-rische, abgeschmackte und törichte" Art von Briefen, die so schmeichlerisch gehalten seien,daß man die wahre Gesinnung des Schreibenden gar nicht erkennen könne, wie diejenigenBriefe beschaffen seien, die man jetzthöfliche" (aulioas) undgebildete" (dsne eäu-eatas) nenne.

Von ungleich größerer pädagogischer Wichtigkeit ist die im Jahre 1539 (zuerst inParis, s. Majans I. S. 145) erschieneneLxoroitutio linZuaa lutinao",ein in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien viel verbreitetes Schulbuch, von demwir kaum mit Sicherheit zu sagen wüßten, ob es nicht noch heutzutage irgendwo ge-braucht wird. Wenigstens ist noch im Jahre 1836 in Parma eine Ausgabe mit ita-lienischer Übersetzung erschienen. Majans erwähnt drei verschiedene Ausgaben mit spanischerÜbersetzung aus dem 18. Jahrhundert; ferner eine Übersetzung und einen Kommentaraus dem 16. Jahrhundert; eine Ausgabe mit lateinisch-spanischem Index u. s. w. Auchmehrere französische Übersetzungen, Ausgaben mit lateinisch-französischem Vokabular u. s. w.aus dem 16. und 17. Jahrhundert, zwei italienische mit Übersetzung aus dem 18., einedeutsche und eine polnische Übersetzung werden von Majans (I. S. 157162) erwähnt,ohne daß jedoch von einer vollständigen Aufzählung der Ausgaben auch nur von ferne dieRede sein könnte.*) Unter den deutschen Ausgaben sind besonders hervorzuheben die-jenigen von Matthias Martinius, Bremen 1618 und die seit 1571 sehr oft auf-gelegte des Thomas Freigius, Nürnberg. Von der ersteren (die mir unbekanntgeblieben ist) rühmt Thomas Crenius (Do xbiloloZia, I-ugä. Lat. 1696. 4. S. 238)die ausgezeichneten philologischen Anmerkungen und ^monita moralia", mit welchenMartinus die Dialoge begleitet habe. Thomas Freigius, welcher im Jahre 1576 dasRektorat des Nürnbergischen Gymnasiums und der Akademie zu Altorf übernahm, ist einbegeisterter Verehrer unseres Vives, den er, wie es in der Dedikation der Dialoge (1582)heißt, schon als Knabe für immer lieb gewonnen habe. In der Philosophie habe erVives freimütiger und wahrheitsliebender als die andern gefunden und in ihm einen derersten Vorkämpfer gegen die Barbarei und Sophistik der früheren Jahrhunderte erkannt.Mit der Selbständigkeit seines Urteils verbinde sich eine reine und edle Sprache. Anseiner Philosophie jedoch sei vorzüglich die negative Seite zu bewundern; die positive Er-gänzung dazu habe Ramus gegeben, indem er dasjenige ausführte, wozu Vives denGrund gelegt habe. (Freigius war einer der eifrigsten Anhänger desRamismus",vergl. Morhof, Polyhist. II. I. 12, 1, wo übrigens die Stellung von Ramus zu Vivesund die Bedeutung des letzteren für die Kritik der aristotelischen Philosophie ganz ver-kannt wird.)

Was insbesondere die Dialoge betrifft, so bemerkt Freigius, er habe sie nicht nurselbst von seiner Kindheit an eifrig gelesen, sondern auch bemerkt, daß sie fast in allenSchulen um die Wette behandelt werden, wobei es jedoch viel Klagen gebe wegen derSchwierigkeit der zahlreich vorkommenden seltenen Wörter. In der That hat Vives dasZiel zu erreichen gesucht, so weit als irgend möglich alles, was das damalige moderne

*) So erwähnt z. B. Majans von den in Deutschland erschienenen Ausgaben nur diejenigendes Matthias Martinius, Bremen 1614, und Thomas Freigius, Nürnberg 1571 (?), 1583und 1622, während mir außerdem folgende bekannt geworden sind: Nürnberg 1582, 1598,1594, Augsburg 1547, 1564, 1574. Thomas Crenius in dem im Text zitierten Werke erwähntauch englische Ausgaben.