Vaterlandsliebe.
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welcher nur das Neueste immer auch das Beste ist, und eines Kosmopolitismus der Selbst-sucht nicht der Sinn für Wesen und Beruf des eigenen Landes und Volkes und jenerideale Zug unserem Volke verloren gehe, welcher aus dem Bewußtsein entspringt, daßder Mensch nicht vom Brote allein lebt. Wo die nächste Heimat solche Denkmäler vonder Größe der Vorzeit aufzuweisen hat, da versäume der Lehrer nicht, auf sie aufmerksamzu machen und sie zu deuten; unter günstigen Umständen kann eine Wallfahrt nach ihneneinen Hauptgewinn der pädagogischen Fußreisen einbringen, welche auch sonst zur Be-lehrung in der Heimatskunde und Hcimatsliebe zu verwerten sind (s. d. Art. Fußreisen).Auch unsere Turner dürfen nicht aufhören zu singen — und nicht bloß zu singen —.-„Und uns allen wolbekannt wird das deutsche Vaterland." Und wenn die langhaarigeTurnerei einer früheren Zeit sich mehr als billig in nebelhaften patriotischen Träumengewiegt hat, so dürfte heutzutage die Warnung wol angebracht sein, daß das Turnennicht bloß aus Gesundheitsrücksichten empfohlen und gepflegt werde, sondern so, daß esdazu dient, die deutsche Jugend und das deutsche Volk allezeit fest und treu auf derWacht zu erhalten und ihnen auch den rechten Wächter zuzugesellen, von welchem Arndtsingt: „Treues und deutsches Herz, tapfer in Ernst und Scherz, das sei die Mauer!Treues und deutsches Herz bleibt auf die Dauer!" Es ist aber allerdings ein wunder-lich Ding um dieses treue deutsche Herz. Mit den stärksten Banden der Liebe an denBoden der Heimat gebunden, ist es zugleich von einer unwiderstehlichen Wanderlust be-wegt. Die von Jahr zu Jahr sich mehrende Auswanderung aus Deutschland erklärt sichleider teilweise aus lokalen Hemmungen und Beschwerungen, welche einem großen Teilder Bevölkerung das Leben sauer machen, — aber keineswegs allein, sondern zum gutenTeile auch aus jenem dem deutschen Volke von jeher inwohnenden Zug in die Ferne,welchem Justinus Kerner in seinem Wanderlied einen so unübertrefflich wahren undinnigen Ausdruck gegeben hat. Auswandernde deutsche Bauernbursche hat an der Grenzeder väterlichen Markung der Schmerz des Abschiedes zu Boden geworfen, aber sie habensich wider aufgerafft, und, wenn nicht gesungen, so doch gefühlt: „Lebt wol nun, ihrBerge, du väterlich Haus! Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus!" Unverkennbarhängt dieser Zug mit dem kosmopolitischen Berufe des deutschen Volkes zusammen, undes ist nur zu wünschen, daß der Deutsche im fremden Lande das deutsche Herz sich be-wahre. Die Zeit ist jetzt vorbei, wo Deutsche unter den meist sehr überschätzten Seg-nungen des Auslandes etwas darin suchen konnten, auf das Leben in der Heimat mitvornehmer Geringschätzung herabzusehen: cs giebt kein Volk, welchem nicht der Deutschezurusen könnte, wie einst der junge Göthe in Straßburg in Gedanken an Erwins Wunder-bau den Franzosen zugerufen hat: „Was habt ihr gethan, daß ihr verachten könnt?"Der deutschen Erziehung wird es jetzt leichter, dahin zu wirken, daß die Auswanderndendie Liebe zur Heimat und die lebendige Fühlung mit ihr nicht verlieren, sondern in denStand gesetzt werden, mit ernstem deutschem Sinn und treuer deutscher Arbeit Propa-ganda zu machen im Gebiete des staatlichen und kirchlichen Lebens, der Wissenschaft undKunst, des Handels und der Gewerbthätigkeit. Schließlich sei nur noch darauf aufmerk-sam gemacht, wie auch der deutschen Vaterlandskunde die deutsche Dichtkunst auf jedemSchritt zur belebenden Begleiterin dient. Nächst Schenkendorffs herrlichem Lied von dendeutschen Städten ist hier besonders der schwäbischen Dichter, Hölderlins, Kerners, Uhlands,Schwabs, in Ehren zu gedenken. Dem Deutschen, der seinen Uhland kennt, begegnen,wenn er zum ersteumale nach Tübingen reist, in Burgen und Städten und Dörfernüberall links und rechts alte gute Bekannte (vgl. G. Weber a. a. O. S. 14—24:„Der Geographieunterricht").
Wir haben, wie das in der Natur der Sache liegt, von der Geographie Deutsch-lands nicht reden können, ohne zugleich auf die Geschichte des deutschen Volkes Beziehungzu nehmen. Wie förderlich aber ganz besonders der Geschichtsunterricht zur Er-weckung vaterländischer Gesinnung, insbesondere durch mahnende und warnende Exempel,die er vorführt, benutzt werden kann, das leuchtet ohue weiteres ein. Die Hauptgesichts-