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9 (1887) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

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überhaupt nicht mehr zu registrierenden Ranges hinabzusteigen, sondern an Werke sichhalten kann, an welchen das Gemüt und, weil sie mit dem Großen, was das Auslandhervorgebracht hat, den Vergleich aushalten, zugleich das nationale Selbstgefühl der Jugendsich erheben kann. Wo, wie in den oberen Klaffen der Gymnasien, ein Anfang gemachtwerden kann, die deutsche Sprache und Litteratur in ihrem geschichtlichen Werden zu über-schauen, da bieten Vilmars grammatische Lehrbücher einen bequemen und zuverlässigenLeitfaden und seine Geschichte der deutschen Nationallitteratur die anregendste Einführungin das wirklich und vorzugsweise Lesenswerte. Bei den selbständigen schriftlichen Aus-arbeitungen aber, welche den Schülern aufgegeben werden, kann und soll deren vater-ländische Gesinnung nicht allein durch die Wahl patriotischer Stoffe, sondern auch ganzbesonders dadurch gepflegt werden, daß man deutsche Knaben und Jünglinge nicht— imWiderspruche gegen das, was die deutsche Art fordert — verleitet, über Dinge, vonwelchen sie nichts Rechtes wissen können, in hochtrabenden leeren Deklamationen sich zuergehen, sondern sie anleitet, über das, was ein Gegenstand ihrer eigenen Erfahrung undlebendigen Teilnahme ist, mit einfacher und aufrichtiger Klarheit und Wärme sich anszu-sprechen. Durch solche Mittel wird die Vaterlandsliebe nicht bloß quantitativ gesteigert,sondern auch qualitativ bereichert werden. Sie wird, so gepflegt, nicht in eiteler Selbst-überhebung sich aufreizen, um andere Völker zu verachten, sondern sie wird in die eigen-tümliche Art des eigenen Volkes sich hineinleben, diese erkennen, schätzen und lieben lernen,dadurch aber auch das Verständnis für die Eigentümlichkeit anderer Völker sich selbst unddamit dem deutschen Volke einen Vorzug bewahren, welchen es stets vor anderen vorausgehabt hat, und in Bezug auf welchen Vilmar (Litteraturgeschichte, 22. Ausl. S. 386)treffend bemerkt: „Wir haben in Vergleichung mit allen unseren Nachbarvölkern eine beiweitem längere, bei weitem härtere Schulzeit durchmachen müssen, dafür haben wir aberauch, wie kein anderes Volk der Neuzeit, nachdem eine lange Reihe von Generationenhindurch eine untergeordnete, schulmäßige Beschäftigung mit dem Alten fast in allen Klaffender Gesellschaft gedauert hatte, den Geist dieser Alten uns zu eigen gemacht, ihn mitunserem innersten Sein und Wesen gleichsam aufgesogen: wir sind, wie kein anderes Volk,

hinausgekommen über die bloß handwerksmäßige Beschäftigung mit den Alten,-ihre

Maße und Formen sind die unserigen, ihre Anschauung ist unsere Anschauung, ihr Ge-danke ist unser Gedanke geworden; und durch dieses Mittel haben wir erst, wie kaum zuverkennen ist, auch unser eigenes Altertum wider kennen und begreifen gelernt — wie dieNibelungen erst durch den Homer uns zum Verständnis gekommen sind; umgekehrt aberhat unser Altertum uns wider das der Römer und Griechen aufgeschlossen, wie keinemVolk der Erde." Wir würden unser eigenes Volk schädigen, wenn wir nicht dem Großendes Auslands, wie bisher, ein liebevoll eingehendes Studium widmen, nicht seine Werkedurch die trefflichen Übersetzungen, an welchen unsere Litteratur so besonders reich ist,unserem Volke zugänglich machen wollten. Der Deutsche soll, der ihm eingeborenennatürlichen und geistigen Wanderlust folgend, seinen Gang in die Fremde nehmen, uman Erfahrungen reicher in die Heimat zurückzukehren und diese um so lieber zu gewinnen.Mit Walther von der Vogelweide sollte jeder Deutsche, auch ohne in Wirklichkeit großeReisen gemacht zu haben, sagen können: „Ich Han lande vil gesehen und nam der bestengerne war," aber freilich, um zuletzt zu schließen: „Tiuschiu zuht gLt vor in allen!"(Vgl. R. v. Raumer: Der Unterricht im Deutschen, im 3. Bande von K. v. RäumersGeschichte der Pädagogik. — O. Sutermeister, Drei deutsche Sprachen. Literarisch-Pädagogische Skizzen. Zürich 1859. — G. Weber, Das vaterländische Element in derdeutschen Schule. Leipzig 1865. S. 35 ff. — Hildebrand, Vom deutschen Sprach-unterricht in den Schulen. 3. Ausl. Leipzig 1887. — A- Richter, der Unterricht in derMuttersprache und seine nationale Bedeutung. Leipzig 1872.)

„Ich HLn Lande vil gesehen" — das führt uns weiter auf die Bedeutung desgeographischen Unterrichts für die Weckung und Pflege der Vaterlandsliebe. Wirkönnen ja nun, was wir lange Zeit in der guten Zuversicht ausharrender Hoffnung ge-