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9 (1887) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

nach dem Maßstabe einer aberweisen Schulgrammatik als zur „gemeinen Sprache" ge- )

hörend zu verdammen, sondern sehe zu, ob nicht das kindliche Gemüt, von dem geheimnis- l

voll wirkenden Geiste der Muttersprache geleitet, eine tiefere Weisheit geübt hat, alsder Verstand der verständigen Sprachmeister zu erkennen fähig war. Er beherzige RückertsWorte: ^

Der Meister sprach in einem fort, H

Er ließ die Sprache nicht kommen zum Wort, i

Er hatt' an ihr gar manches zu tadeln,

Sie sollte doch ihren Ausdruck adeln.

Die Sprache lächelte lang in Huld,

Endlich kam ihr die Ungeduld. ll

Da fieng sie an, daß es ihn erschreckte, I

Zu sprechen in einem Volksdialekte, ;

Und endlich sprach sie sogar in Zungen, i

Wie sie vor tausend Jahren gesungen, I

Sie könnt' es ihm am Maul ansehen, >

Daß er nicht mocht' ein Wort verstehen. f

Sie sprach: Wie du mich siehst vor dir, ^

Gehört dies alles doch auch zu mir; «

Das solltest du doch lernen fein, «

Ehe du wolltest mein Lehrer sein. '

So hat Luther sein Hochdeutsch gelernt. Er hat bei seinem Übersetzungswerk bald Hdie Überzeugung gewonnen, daß man „nicht den Buchstaben der Fremdsprache fragen soll,wie die Esel thun, wenn man soll deutsch reden; sondern daß man die Mutter im Hause,die Kinder auf der Gaffe, den gemeinen Mann auf dem Markte fragen und denen selben !

auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen muß." Darum hat er denn

auch seinem Volke eine Bibel gegeben, welche klingt,

als ob es so vom Himmel herauf deutsch zu uns geredet war.

Und wenn bei der, um sachlicher Misverständniffe willen nötig gewordenen Revisionunserer deutschen Bibel doch mit schonender Hand bewahrt wird, was Luther an Wörtern,Wortformen und Redewendungen dem Munde des Volkes abgelauscht und von älteremSprachgut uns überliefert hat, so ist selbst der Volksschule in seiner Bibel ein Sprach-schatz geboten, aus welchem das Hochdeutsche bereichert und in lebendigem Fluß und mitder Entwickelungsgeschichte der Sprache in Verbindung erhalten werden kann, damit mitdem gründlicheren und lebendigeren Verständnis der Muttersprache auch die Liebe zu ihrund zu dem Vaterlande und Volke wachse, welchem dieser kräftige und volle Strom ent-quollen ist. — Auch in Beziehung auf den Sprachstoff wird ein Erzieher, welcherfür seine Landes- und Volkesart Verständnis und Liebe hat, die alten naturwüchsigendeutschen Kinderreime und Sprichwörter den faden oder superklugen Reimereien der Kinder-gärten und unsere edelen Volkslieder, an welchen ja Gott sei Dank kein Mangel ist,sowie das in unserem Volke lebendig gewordene geistliche Lied, welches zu den köstlichstenKleinodien der evangelischen Kirche und des deutschen Volkes gehört, jenen modernen Ge-sangeskünsten vorziehen, durch welche so mancher ländliche Gesangverein die unseremVolke eingeborene Sangeslust mehr gestört als gefördert hat. In dem Lesebuch mußdas Volksmärchen, die Bolkssage und die deutsche Heldensage, wie sie jetzt durch mehrals eine treffliche Bearbeitung der Jugend zugänglich gemacht ist, vertreten sein, und beider Auswahl deutscher Dichtungen, welche den Schülern als bleibendes Vermächtnis vonder Schule mitgegeben werden sollen, muß im Gegensätze zu der vielfach sich geltendmachenden unglücklichen Neigung, auch hier immer mit dem Neuesten aufzuwarten, derGrundsatz maßgebend sein, daß für die Jugend und das Volk das Beste gerade gut genugist. Unsere wirklich großen Dichter bieten ja selbst für die Volksschule so reichen Stoffdar, daß man wahrlich nicht genötigt ist, zu Poeten dritten oder fünfzehnten, oder eines