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9 (1887) Spanien - Vives
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Vaterlandsliebe.

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politismus die richtige Mitte angewiesen. Wie aber die deutsche Volkstümlichkeit zurAufnahme und Aneignung des Evangeliums auf besondere Weise angelegt und berufenist, wie thatsächlichbei keinem Volke eine so durchdringende Vereinigung und Verschmel-zung des natürlichen nationalen Lebens mit dem Evangelium stattgefunden hat, wie beidem deutschen Volke" (Piderit in der unten anzuführenden Gymnasialrede): so ist auchdem deutschen Volke in besonderem Maße und nicht, damit es sich überhebe, sondern da-mit es einer heiligen und leider oft versäumten Pflicht sich bewußt werde, der Berufzuzuschreiben, jenen wahren Patriotismus zu Pflegen. Die Zeiten innerer Zerrissenheitund politischer Ohnmacht, in welchen unter uns im Vereine mit einem abstrakten Welt-bürgertum und schimpflicher Ausländerei die gleichgültige und selbstsüchtige Isolierung dereinzelnen besonders üppig emporwucherte, sind nun mit Gottes Hilfe vorüber: jetzt darfuns das widergewonnene Gefühl nationaler Einheit und Kraft nicht verleiten, auf eineebenso undeutsche als unchristliche Weise die zur Bereicherung unseres nationalen Lebensbestimmte Manigfaltigkeit individueller Eigentümlichkeiten und Bildungen zu unterdrücken,oder die brüderliche Gemeinschaft mit anderen Völkern gering zu achten, aus welcher unsErgänzung unseres eigenen Wesens und Förderung des Woles der ganzen Menschheithervorgehen soll.

Das erste Mittel, die deutsche Jugend zur Vaterlandsliebe zu erziehen, istdarin zu suchen, daß die von Gott gewollte Verbindung zwischen derdeutschen Volkstümlichkeit und dem Evangelium bewahrt und lebendigerhalten werde. Eine traurigere Verirrung ist kaum denkbar, als daß Deutsche nachausländischen Vorbildern, um die natürliche Anhänglichkeit an das allerdings reformbedürf-tige Bestehende in unserem Volke zu erschüttern, die Pie:ät im höchsten Sinne desWortes ans seinem Herzen auszureuten und den Bau deutscher Freiheit auf dem hohlenBoden des Atheismus aufzurichten trachteten. Die natürlichen Gaben des deutschenStammes sind erst durch das Evangelium recht entbunden worden, die Entwickelungs-perioden des deutschen Volkes hängen, wie bei keinem andern, mit denen der Kirche zu-sammen und die Zeiten seiner nationalen Größe sind immer auch Zeiten religiöser Er-hebung gewesen. Das ihm eingeborene tiefe religiöse Bedürfnis, welchem es nicht genügte,die Gottheit, deren unsichtbares Wesen das deutsche Gemüt ahnte, in sichtbaren Bildernzu verehren, sondern welches alle einzelnen Göttergestalten der altgermanischen Religionals unzulängliche Verkörperungen jenes Wesens in der Götterdämmerung wider unter-gehen ließ, fand erst in der evangelischen Predigt von dem Gotte, der ein Geist ist undim Geist und in der Wahrheit angebetet werden will, seine Befriedigung. Die natürlicheEhrfurcht der Germanen vor dem ewig Weiblichen und der Heiligkeit des Familienbandeserhielt durch das Christentum ihre höhere Weihe. Die alte Treue bis in den Tod,welche die Deutschen mit ihren Fürsten und Führern verbunden hatte, wurde zur Treuegegen den Herzog ihrer Seligkeit verklärt. Die sinnige Betrachtung der Natur und desLebens, welcher alles Sinnliche zu einem Symbol des Übersinnlichen wird, fand in derchristlich-germanischen Kunst ihren vollendetsten Ausdruck. Der vor keinem Hindernis zu-rückschreckende Kampfesmut der starken Herzen wurde zu jenem Mute der Wahrheit,welcher nicht forschte, um nur für das äußere Leben Vorteile zu gewinnen, sondern umtiefer einzudringen in das Wesen und den Zusammenhang der Dinge, und an welchem essich darum doch bewährt, daß dem, welcher stets nach dem Höchsten trachtet, auch allesandere zufallen muß. Schon in der deutschen Mystik des Mittelalters ist dieser Wahr-heitsmut durch die starre Äußerlichkeit der herrschenden Kirchenlehre zu den lebendigenTiefen des Evangeliums hindurchgedrungen, und in dem Werke der Reformation hat ereben darum die größte That des deutschen Geistes vollbracht, weil in dieser That derdeutsche Geist seinen höchsten Beruf, mit dem Evangelium von Christo die innigste Ver-bindung einzugehen, auf das entschiedenste erfüllt hat. Daß das deutsche Volk lieber seinePolitische Konzentration daran gegeben, als von dieser Verbindung gelassen hat, das hates freilich Jahrhunderte lang als politisch ohnmächtig erscheinen lassen, zumal dem Nach-

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