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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Vaterlandsliebe.

Männer vom Rütli und der alte Attinghausen, die Jungfrau von Orleans und Wallen-stein mit seinen kühnen Reitern müssen den Ton anstimmen, aus welchem bald der Frei-heitssang wie Wogendrang über das deutsche Land dahinbrausen sollte. Das Größte aber,was unsere großen Dichter, im Verein mit dem großen Denker von Königsberg, zurWeckung einer patriotischen Gesinnung gethan haben, das ist, daß an den Thaten undWerken, welche durch sie, wie es der von innen nach außen gehenden Entwickelung desdeutschen Volkes zukommt, zuerst auf dem Gebiete des geistigen Lebens vollbracht wordenwaren, das Selbstgefühl der Deutschen dem Auslande gegenüber erstarkte. Der Jammerund die Schmach der Unterdrückung, welche durch Napoleon über Deutschland gekommenwar, enthielten die mächtigste Aufforderung, die so gewonnene innere Erstarkung auch nachaußen zu bethätigen. Die deutschen Kosmopoliten aus natürlicher Gutmütigkeit oderabstraktem Doktrinarismus lernten erkennen, was es wert ist, wenn ein bestimmtes Volkein bestimmtes Vaterland hat und es wirklich sein nennen und auf seinem Boden nacheigenen Gesetzen sich verfassen und leben kann. Der alte Begriff der Vaterlandsliebe alsder pflichtschuldigen Dankbarkeit gegen die bürgerliche Gemeinschaft, welche man Rechts-schutz und Förderung der leiblichen Wohlfahrt und der allgemeinen geistigen Bildung ver-dankt, wollte nicht mehr genügen: die instinktive Anhänglichkeit an das Land und Volk,in welchem inan die starken Wurzeln seiner Kraft hat, trat wider in ihre Rechte ein,und die kosmopolitische Weitherzigkeit, welche nur Küsse für die ganze Welt hat, wurdekorrigiert durch den heiligen Zorn gegen den Frevler, welcher es wagt, den heiligen Bannzu durchbrechen, der jedem Volke seine eigentümliche und selbständige Entwickelung sichernsoll. Und was die Sänger der Befreiungskriege in diesem Sinne gesungen haben,Schenkendorf in sehnsüchtigem Rückblick auf die alte deutsche Herrlichkeit, Arndt infrischem und vertrauensvollem Weckruf an die noch vorhandene deutsche Kraft und Ehre,Körner in opferwilligem Glauben an den Gott der Freiheit, der sein Volk in diesemKreuzzug und heiligen Kriege nicht verlassen werde, Rückert in scharfer Rüge gegen diepartikularistische Zerrissenheit der deutschen Stämme und den selbstsüchtigen Cynismuseinzelner, Uhland in sinniger und begeisterter Widerbelebung des alten rüstigen Helden-lebens: das ist denn auch durch die deutsche Wissenschaft auf seine bestimmte Formel ge-bracht worden. Fichte gieng in seinen Reden an die deutsche Nation gleich auf deneigentlichen Kern der Vaterlandsliebe los, wenn er den alten Deutschen in ihrem Kampfemit den Römern nachrühmte (8. Rede, S. 208):Freiheit war ihnen, daß sieeben Deutsche blieben, daß sie fortfuhren, ihre Angelegenheiten selbständig undursprünglich, ihrem eigenen Geiste gemäß zu entscheiden, und diesem gleichfalls gemäßauch in ihrer Fortbildung vorwärts zu rücken, und daß sie diese Selbständigkeit auch aufihre Nachkommen fortpflanzten: Sklaverei hießen ihnen alle jene Segnungen, die ihnen dieRömer antrugen, weil sie dabei etwas anderes, denn Deutsche, weil sie halbe Römerwerden müßten. Es verstehe sich von selbst, setzten sie voraus, daß jeder, ehe er dieswerde, lieber sterbe, und daß ein wahrhafter Deutscher nur könne leben wollen, um ebenDeutscher zu sein und zu bleiben und die Seimgen zu eben solchen zu bilden." Undwider Deutsche sein zu wollen und alles daran zu setzen, nm es wider zu werden, daswar es auch, worauf es damals vor allem anläm. Zu einer ruhigen Erwägung dessen,was man anderen Nationen schuldig war, und was zu leisten das deutsche Volk stets imÜbermaße sich bereit gezeigt hatte, war solange keine Zeit, als die fremden Unterdrückernoch auf deutschem Boden standen. Jetzt, wo manin unzählbaren Wunden dieserFremden Hohn empfunden," hatte auch jene patriotische Rücksichtslosigkeit und Einseitig-keit ihre geschichtliche Berechtigung, in welcher nicht allein Heinrich von Kleist schon seinwildes:Schlagt ihn tot! das Weltgericht fragt nach euren Gründen nicht!" hinaus-gerufen hatte, sondern auch der ehrenfeste Arndt verkündete:Das ist des DeutschenVaterland, wo Zorn vertilgt den welschen Tand; wo jeder Franzmann heißet Feind, wojeder Deutsche heißet Freund," und der sinnige Schenkendorf ermahnte:Stahl, vonMännerfaust geschwungen, rettet einzig dies Geschlecht. Haltet darum fest am Hasse!"