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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Vaterlandsliebe.

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Laßt Lerch' und Falken fliegen,Setzt alle Kräfte bei,

Mit ihnen zu besiegenDes Hahnes Prahlerei!

Er prangt mit euren Federn,Drum müßt ihr ihn entädern,Und jeder sich bemühen,

Das Seine wegzuziehen.

Wollt ihr euch unterwinden,Zu thun, was sich gebürt,

Der euch an Reihen führt.Laßt euch verstellten FriedenZum Schlafe nicht ermüden:

Ein Hermann wird sich finden,

Mit Wachen und mit WagenMuß man die Ruh erjagen.

Mit ganz neuem und kräftigem Schwung hat sich dann die Begeisterung fürdeutsches Volk und Vaterland in Klopstock erhoben, und es ist bezeichnend, daß der ander Spitze unserer neuen Litteratur stehende Sänger der Größe und Ehre des deutschenVolkes zugleich der Sänger des Messias ist. Dagegen wird man beim Rückblick auf diedamaligen Zeit- und Bildungsverhältnisse es begreiflich und mithin verzeihlich finden, daßer für das im Volke noch wirklich lebendige, eigentümlich deutsche Wesen und dessen nievöllig unterbrochenen Zusammenhang mit der deutschen Vorzeit kein rechtes Verständnishatte, sondern in den zum Teil sehr fragwürdigen Gestalten der nordischen Mythologiedie Stützen für seine patriotische Begeisterung suchte und diese in Formen ergoß, welcheer von Griechen und Römern entlehnt hatte. Während nun neben der patriotiotischenRichtung Klopstocks die dem deutschen Wesen einwohnende kosmopolitische Richtung durchWieland eine wenig erfreuliche Vertretung gefunden hatte, bricht aus Lessings Huma-nismus auch ein gesunder Patriotismus hervor, indem der große Kritiker nicht allein dieSchwächen der als mustergültig bewunderten französischen Poesie aufdeckt, sondern ihrauch in seiner Minna von Barnhelm ein echt deutsches Drama gegenüberstellt. Auch istdie Art, wie hier die Versöhnung zwischen der strammen preußischen Art und dem sächsi-schen Wesen gesucht und gefunden wird, patriotischer, als das Bestreben des HalberstädterGrenadiers, zu Ehren des großen Preußenkönigs die in der Reichsarmee vertretenenübrigen deutschen Stämme möglichst schlecht zu machen; wiewol die Freude an den Thatendes alten Fritz, der die Reichsfeinde zur Rechten und zur Linken einmal wider gründlichgeklopft hatte, ohne Zweifel auch eine deutsche Freude gewesen ist und bleiben soll. Indem Konzert, zu welchem Herder dieStimmen der Völker" vereinigte, ließ er dochdie deutsche Stimme den eigentlichen Grundton halten, und zugleich holte er, was Klop-stock versäumt hatte, nach, indem er, ivas von eigentümlich deutschem Wesen im Volknoch wirklich lebendig war, ans Licht zog und vieles vergessene Wahre, Schöne und Großeaus der deutschen Vorzeit im Bewußtsein seines Volkes neu belebte, wobei ihm JustusMöser mit seinemtüchtigen Menschenverstand" durch das Bestreben, deutsche Art undSitte aufzusuchen, zu erhalten und zu pflegen, kräftigst sekundierte. Unter Herders Ein-fluß geschah es, daß der jugendliche Göthe im Angesichte des Straßburger Münstersfürdeutsche Art und Kunst" in einer Weise sich begeisterte, wie er es erst am Abendseines Lebens infolge der von Boisseröe empfangenen neuen Anregung wider vermochte,und daß er in seinem Götz von Berlichingen deutsche Art durch deutsche Kunst verkörperte.Aber auch wenn er von Homer und Sophokles, von Properz und Hafis in fremde Landesich leiten ließ, vergaß er nie, was ihm die Fremde Gutes gebracht, dem deutschen Volkeanzueignen; und obgleich direkte Äußerungen patriotischer Gesinnungen, wie z. B. hierund da in Hermann und Dorothea, selten bei ihm hervorbrachcn, so ist doch seine ganzeDichtung von dem feinsten und tiefsten Verständnis für das deutsch Volkstümliche undvon deutschem Wesen so entschieden durckweht, daß es erklärlich wird, wie ihn selbst einsolcher Urgermane wie der Tnrnermeister Jahn den deutschesten Dichter hat neunen können.Auch bei Schiller ist es am Ende nur ein deutscher Zug, daß er einen Kosmopolitis-mus verkündet, vor welchem nationaler Patriotismus als engherzige Beschränktheit er-schien; und wenn er in unbewußter Selbstverleugnung seine Helden für Freiheit undVaterland in Italien, in Frankreich, in der Schweiz, ja bei den Czechen suchte, so fühltman doch unter der ausländischen Hülle immer das deutsche Herz schlagen, und die