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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Vaterlandsliebe.

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als eine von Gott gewollte und geordnete, aber auch zu freiem Eingehen auf die allesverwaltende heilige Ordnung Gottes berufene dargestellt. Und darin liegt allerdingseinerseits die Verwerfung jenes die vorchristliche Welt beherrschenden Wahnes, nach welchemeine jede Nation nur sich selbst als die eigentlich berechtigte ansah; andererseits aber auchdie Anerkennung der Berechtigung einer jeden, sofern sie bestrebt ist, das menschliche Lebennach Gottes Ordnung auf eine eigentümliche Weise darzustellen. Um es kurz zu sagen:das Christentum rechnet die manigfaltigen Volkstümlichkeiten zu den mancherlei Gaben,die in einem Geiste, die verschiedenen Völker zu den verschieden ausgerüsteten Gliedern,die zu einem Leibe in wechselseitiger Unterstützung und Ergänzung sich verbinden sollen.Und somit weiß es ebensowenig von einer Unterschätzung, oder gar Vernichtung der na-tionalen Verschiedenheit, als von einer absoluten Berechtigung der vereinzelten Nationalität,vielmehr hat es Recht und Pflicht der Nationalität gleichmäßig anerkannt und das wahrePrincip ihrer Ausgleichung aufgestellt.

Zum Träger dieses Princips war und ist vor andern der germanischeVölker-stamm und innerhalb desselben wider, teils wegen der centralen Lage seines Landes,teils deswegen, weil es von der Vermischung mit romanischen und keltischen Elementenbewahrt geblieben ist, das deutsche Volk berufen. Die Innerlichkeit des Gemütes,welche den Grundzug der deutschen Volkstümlichkeit bildet, begründet eine natürliche Prä-disposition dieses Volksstammes für das Christentum als die innerlichste Religion undbegünstigt zugleich sowol die Anerkennung des allen Völkerindividualitäten zu Grundeliegenden gemeinsam Menschlichen, als ein eingehendes Interesse für das eigentümlicheWesen und Treiben anderer Nationen. Dazu kommt, daß das deutsche Volk nicht, wieGriechen und Römer, dem zu ihm sich verbreitenden Christentum schon eine allseitige undabgeschloffene Bildung entgegenbrachte, sondern daß es vielmehr von dem Christentumund der Kirche erst den Antrieb zu seiner nationalen Vereinigung und das höhere Principfür die Entwickelung seiner nationalen Eigentümlichkeit empfieng. So finden wir dennhier nichts von jener Ausschließlichkeit, mit welcher andere Völker sich selbst als die alleinBerechtigten betrachteten und ans die anderen je nach den Umständen mit Geringschätzungoder mit Haß hinübersahen, sondern ein unbefangenes Geltenlaffen der fremden Volks-tümlichkeiten und zwar dies umsomehr, je mehr die eigene ihnen gegenüber in Ursprüngesicher Frische und Kräftigkeit sich zu behaupten wußte. Ausdrückliche Bezeugungen einesbewußten Patriotismus finden sich bei dem deutschen Volke nicht so früh und häufig, alsman anzunehmen geneigt sein mag: sie treten zahlreicher und kräftiger erst in Zeitenhervor, da infolge der allzugroßen Billigkeit und Nachgiebigkeit, welche es anderen selbst-süchtigeren Völkern bewies, seine eigene Selbständigkeit bedroht wurde, ja unterdrückt zuwerden anfieng. Zwar hat Jakob Grimm in seiner Geschichte der deutschen Sprache(S. 792 ff.) bewiesen, daß nicht erst Karl der Große das weltgeschichtliche Bewußtsein desdeutschen Volkes geschaffen hat, sondern daß die Deutschen von jeher erkannten, wie siedurch gemeinsame Sprache, Sitte und Kraft zusammenhiengen, daß sie durch die Verehrungderselben Götter verbunden waren, und daß Arminius nicht der Held der Cheruskerallein, sondern aller Germanen gewesen ist. Die unbewußte Anhänglichkeit der Deutschenan den heimatlichen Boden und an die ihn bewohnenden Landsleutewird schon durcheine Reihe von schönen Ausdrücken bezeugt, die unserer Sprache gewiß von Uralters herzu Gebot standen," wie Vaterland, Heimat, Heimsucht (Heimweh); ganz besonders aberdurch die Urbedeutung des schönen vom Heimweh eingegebenen Worteselend" (alt-hochdeutsch: elilenti), welches ursprünglich den im Ausland Wohnenden bedeutet, dannaber zu einer Bezeichnung der Verlassenheit, der Not und des Unglücks überhaupt ge-worden ist. Auch fehlt es bei den deutschen Dichtern des Mittelalters nicht an Mahnun-gen, teils an einzelne, teils an das Volk und seine Fürsten im ganzen gerichtet, diegute Gesinnung, Zucht und Sitte der Väter zu bewahren, dein Unfrieden zu steuernund so das Wol und Gedeihen des Reichs zu fördern. Aber was von solchen politi-schen Gedichten z. B. Hoffmann von Fallersleben zusammengestellt hat (Politische Ge-