Vaterlandsliebe.
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seid alle, alle mir herzlich gegrüßt! — Wie so köstlich wehet die Luft von meineinHeimat-Gebirge! wie strömt balsamische Wonne aus euch dem armen Flüchtling ent-gegen! — Elysium, dichterische Welt! Halt ein, Moor! Dein Fuß wandelt in einemheiligen Tempel. (Er kommt näher.) Sieh da, auch die Schwalbennester im Schloßhof
— auch das Gartenthürchen! — und diese Ecke am Zaun, wo du so oft den Fängerbelauschtest und necktest — und dort unten das Wiesenthal, wo du der Held Alexanderdeine Macedonier ins Treffen bei Arbela führtest, und nebendran der grasige Hügel, vonwelchem du den persischen Satrapen niederwarfst, und deine siegende Fahne flatterte hoch!Die goldenen Maientage der Knabenzeit leben wider auf in der Seele des Elenden"
— der Elende ist aber nach dem tiefen Vaterlandssinn des deutschen Volkes nichts
anders, als der Ausländische, von dem Boden des Vaterlandes Entfernte oder ihm Ent-fremdete. Und was das Gemüt des Dichters in inhaltreicher Unmittelbarkeit aus-
gesprochen hat, das bestätigt der Verstand der Verständigen. Schleier macher sagt(Grundriß der philos. Ethik. Herausgeg. von Twesten, S. 146, § 129): „Menschenund Boden gehören wesentlich zusammen, daher auch der Boden das erste Objekt der An-ziehungskraft, der Liebe für alle ist, und ein Volk es immer als Beraubung fühlen muß,wenn es einen Teil seines ursprünglichen Bodens einbüßt;" und daran schließt Rothe(Theolog. Ethik, 2. Ausl., II, S. 433) die Bemerkung an: „Da die Volksindividualitätihr kausales Priucip an dem Boden hat, d. h. überhaupt an dem Inbegriff der ma-teriellen Naturelemente, die seine äußere Daseinssphäre konstituiren, so ist das nächsteund ursprünglichste Objekt der Vaterlandsliebe eben dieser Boden, auf dem das Volkerwachsen ist." Auch hiernach sind also nicht gewisse nützliche Eigenschaften des heimischenBodens, sondern es ist sein natürliches Verwachsensein mit der ganzen VolksindividualitLtdasjenige, was ihn seinen Bewohnern so- teuer macht. Diesen aller wahren Vaterlands-liebe im vollsten Sinne des Wortes zu Grunde liegenden starken Naturtrieb hat selbstder Römer Cicero nicht verkannt, wenn er (Vs »rat. I. 44) sagt: „Oujus rsi tantasst vio ae tanta natura, ut Itbaeam illam in aaxsrrimia saxulis tanguam niclutuinat'tixam 8axisnti8simu8 vir inunortalitati antsponsrst." Und in der That üben nichtsowol die vorteilhaften Kulturverhältnisse unserer Heimat, welche die Eigentümlichkeitender verschiedenen Länder ausgleichen und darum der Entwickelung einer spezifischen Vater-landsliebe minder günstig sind, jenen eigentümlichen Liebeszauber auf das Gemüt aus,sondern gerade die Eindrücke der Natur selbst, welche in ihrer menschliche Weisheit undKraft überragenden Größe uns gegenüber steht. Das Herz des Schweizers hängt andem Hochgebirge seiner Heimat, und wenn er zu Straßburg auf der Schanz das Alp-horn herüberklingen hört, so muß er zum Vaterland hinüberschwimmen, es mag angehenoder nicht. Der Süd- und Mitteldeutsche liebt seine Waldeshügel und Wiesengründe,der Niedersachse seine weiten Marschen in ihrer großartigen Einförmigkeit, init ihrenernsten Baumgruppen und ihren stillen Seen, der Friese seine Dünen, au welchen dieBrandung, murmelnd oder donnernd, von den Wundern der ungeheuren, immer gleich-förmigen und doch immer neuen See erzählt. — Aber nächst dem heimischen Bodengilt unsere Liebe allerdings der Volksindividualität, deren Eigentümlichkeit durch jenen mit-bedingt ist; und diese natürliche Anhänglichkeit an den Volksstamm, welchemwir angehören, bildet das zweite für die Konstituierung des vollen Begriffs der Vater-landsliebe wesentliche Moment. Die Volksgemeinschaft hat sich aus der Stammes- undFamiliengemeinschaft erweitert und beruht in letzter Instanz, wie diese, auf einem bluts-verwandtschaftlicheu Verhältnis, in welchem wie die Familienliebe, so auch die Vater-landsliebe, insofern sie Liebe zum eigenen Volksstamme ist, ihre Naturbasis hat. Hatein Stamm, durch die wachsende Zahl seiner Angehörigen, oder durch einen ihm an-geborenen Wandertrieb bewogen, die Verbindung mit seiner ursprünglichen Heimat gelöst,um eine neue zu suchen, so findet er erst mit dieser wider die Möglichkeit, sein eigen-tümliches Leben bestimmt und allseitig zu entwickeln. Auf dem festen und nach außengesicherten Boden der neuen Heimat bildet er die Gesetze seines nationalen Lebens aus