Ulierbürdung.
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wahren Berufsstolz, zu welchem er vor anderen berechtigt ist, nicht in geselliger Aus-zeichnung, nicht in geräuschvollem Ringen nach Rang und Weltachtung, sondern in derWürde und Macht einer auf sich ruhenden Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Daßhiermit nicht einer Zurücksetzung unsers edlen Standes durch die Staatsverwaltung dasWart geredet werden soll, bedarf wol nicht der Versicherung.
Von den übrigen mitwirkenden Ursachen erwähne ich nur mit wenigen Worten undeiniger Zurückhaltung der Universitäten, da dieselben ihren Zweck in sich tragen und dieBedingungen wie die Mittel ihres Schaffens aus ihrem eigenen Leben und aus derselbständigen Bewegung der Wissenschaften erzeugen und erfüllen sollen. Gleichwol wirdhier der auch auf ihnen selbst gelegentlich gehörte Wunsch gestattet sein, daß die zur Vor-bildung für das Lehramt dienenden Fachwissenschaften nicht noch weiterer Zerspaltungausgesetzt werden, daß es wenigstens nie an "einer zusammenfassenden Betrachtung desBandes mangeln möge, welches sie innerlich verkettet und zu geistig befruchtender Wirk-samkeit erst tüchtig inacht. Und wenn wie gesagt die Wissenschaft, also auch die Philo-logie ihre eigenen Wege wandelt, so mag es doch wol den Vertretern derselben möglichsein und jedenfalls ist es für unsere Schulen sehr wünschenswert, daß dieselbe ihrenUnterricht und ihre Seminaranleitung nicht allzu einseitig auf Textherstellung und Quellen-zergliederung, sondern auch auf anschauliche Erklärung der alten Schrift- und Kunstwerkerichte, weil eben mittelst solcher Anweisung der künftige Lehrer die Fähigkeit zu anregenderund lebendiger Erklärung des Altertums für die Schulen erlangen wird. Überdies lassenmanche neuere Promotionsschriften bei unzweifelhaftem Sammlerfleiße, auch gesundemUrteile doch allzudeutlich die bis ins einzelne leitende Hand des Lehrers erkennen, welcheden jungen Verfasser zwar vor Mißgriffen behütet, aber auch von freier Kraftentwickelungund allgemeinen Zielen zurückhält.
Daß das staatliche Schulregiment befugt und verpflichtet sei, in der Ordnung derSchulen und des Lehrplans aus eigener sachgemäßer Überzeugung zu verfahren, fremdeAnsprüche aber abzulehnen, sofern dieselben von besonderen Teilzwecken aus die Gestaltunserer Schulen beeinflussen oder gar bestimmen wollen, ist schon oben nachgewiesen. Aberauch diese anderen Verwaltungsbehörden sollten nicht für sich von allen dasselbe ausge-dehnte Maß vielfältiger Kenntnis fordern; sie sollen vielinehr bedenken, daß auch siebesser mit Anwärtern von geistiger und sittlicher Kraftbildung als von Kenntnisfüllefahren, zumal diese Kenntnisse um so leichter schwinden, sich um so schwerer in Fertigkeitund Vermögen umsetzen, je vielgegliederter dieselben sich ausbreiten. Sie sollen die Ge-setze und Forderungen der allgemeinen Erziehungskunst in diesem wichtigsten und tiefstenBewacht nicht überhören; sie mögen je nach dem Einzelbedürfnis ihre Fachanstalten, diePolytechnika, Kriegs-, Forst- und Bauschulen reicher ausgestalten und kräftiger ausnutzen,statt alles von der Reifeprüfung der Gymnasien und Realschulen zu erwarten und hiermitauf die Form und die Wirksamkeit dieser Anstalten zu drücken. Im Anschluß hieransoll nur mit einem Worte die thörichte Forderung der sogenannten höheren Einheitsschuleabgewiesen werden, als ob unser Leben und Streben sich einheitlich entwickelt hätte odergerade jetzt der Einheit zueilt. Im Grunde entspringt diese Forderung auch nur derMiskenntnis der geistigen Entwickelungsgesetze, der banausischen Abkehr von der idealenBelehrungskraft des Altertums, zum Teil auch dem gern verheimlichten Gefühl, daß dieRealgymnasien in ihrer jetzigen Gestalt doch nie die Unterrichtswirkung und Bedeutungerlangen würden, welche ihnen so lärmend zugedacht worden ist. Warum verzerrt mandenn diese Anstalten, die so Schönes leisten, so dringende und unzweifelhafte Bedürfnissebefriedigen könnten, wenn sie einfacher gebaut und nicht nach Rücksichten alltäglicher Nutz-barkeit zugeschnitten und verunstaltet wären! Gemeinsam soll den höheren Schulartennur die Richtung auf Entwickelung der geistigen Kraft, auf Läuterung, Befestigung, Er-hebung der Sittlichkeit sein; die Mittel und Ziele des Unterrichts sind aber je nach demverschiedenen Anstaltszweck zu wählen.