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bisher erwähnten Mängel liegen in der Unterrichtsordnung; ein anderer Schaden, welchernicht so allgemein ist, aber sich in einer bestimmten Unterrichtsweise ausprägt, entspringtder Überspannung der kritischen und ästhetischen Analyse, welcher namentlich unsere großenDichterwerke unterzogen werden, statt daß die unmittelbare und freie Wirkung der Dichtungauf Gemüt und Phantasie der Jugend nur durch wenige Winke geleitet und verstärktwerden sollte.
Von den übrigen Misständen wiegt die Überfüllung der Klassen und der Zudrangunbefähigter und träger Schüler besonders schwer. Denn die Klassenüberfüllung zwingtoder verleitet doch den gewissenhaften Lehrer zu einer strafferen Unterrichtsweise, als sichmit der freien Entwickelung der Eigenart in den einzelnen Schülern verträgt; um über-haupt das Unterrichtsziel zu erreichen, greift er zu einer raschen und gleichförmigen, ohnestarke Anspannung der jugendlichen Kraft nicht erreichbaren Einübung des Lehrstoffs, daihm, dem die Beschäftigung mit allen Schülern Vorschrift und Pflicht ist, das liebevolleEingehen auf die Einzelnatur und die tiefere Einsenkung der Erkenntnis in dieselbe durchdie Überzahl der Schüler versagt wird. Sehr erklärlich ist, daß der Überspannung desjugendlichen Geistes die Erschlaffung folgt: die Überlastung zerdrückt die Kraft, die freieEntwickelung macht sie stark und biegsam. Rechnen wir hierzu noch die jetzige Zer-splitterung der Wissenschaften in Einzelgebiete, die hieraus folgende Bildung einseitigerFachlehrer mit ihrer Neigung, das eigene Wissensgebiet zu überschätzen und darüber derharmonischen Erziehung der Schüler zu vergessen, ferner den gleichfalls hierdurch verau-
laßten Übelstaud, daß die Zahl der in derselben Klasse unterrichtenden Lehrer für die
einträchtige Wirkung auf den Schüler und die billige Behandlung seiner Eigenart zu großwird, vielleicht auch die augenblicklich etwas einseitige Richtung der klassischen Philologie,welche sicher mit geschichtlicher Notwendigkeit, aber zum Schaden ihres Einflusses auf die j
begeisterungsbedürstige Jugend mehr diorthotische und sprachgeschichtliche Ziele als eine I
geistig anregende Auslegung der alten Schriftwerke verfolgt, so werden wir zusammen-gefaßt haben, was der idealen Entwickelung und der naturgemäßen Kraftübung des jugend-lichen Geistes von seiten der Schule Eintrag thut.
Dazu treten die schon angedeuteten außerhalb der Schule liegenden Einflüsse, welchedie Gemütsbilvung, aber auch die Arbeitslust der Jugend hemmen und somit bei derlebendigen Einheit des Geistes auch die Entwickelung ihrer Verstandes- und Einbildungs-kraft beschädigen. Welch ein Vorbilv gewährt die allgemeine Hast nach Erwerb, Einfluß,Genuß, die laute Betonung der irdischen Lebenszwecke, die Zurückstellung, wenn nicht gardie Verhöhnung der idealen, d. h. schließlich der himmlischen Ziele, die so häufige Auf-lösung der häuslichen Stille in das Geräusch der Außenwelt, endlich auch das demagogischeTreiben nicht nur in Versammlungen, sondern auch in den Zeitungen, von welchen sichdoch die Jugend nicht völlig abschließen läßt. Das Haus begiebt sich seiner Erziehungs-aufgabe und seiner Erziehuugskraft, soweit es sich seiner Einheit und keuschen Innerlichkeitentschlagen hat; die einfache und wahrhaft ideale Schönheit wirkt nicht mehr auf den über-reizten Sinn, daher das Jagen nach starken Eindrücken nicht durch die Form und dieIdee des Kunstwerks, sondern durch die Außenwerke der Kunst und die Übertreibung derKunstmittel. Alles dies entbehrt der idealen Sammlungs- und Anziehungskräfte; eserregt vielmehr die anspannende, nach dem aber schwächende Leidenschaft, es vermehrt dieallgemeine Unruhe, es zerstreut den Geist und zieht die Neigungen herab; was Wunder,daß diese Vorgänge, wenn auch Gott sei Dank mit schwächerem Widerhall, sich bis inunsere Jugend fortsetzen und die stille Arbeit der Schule unschmackhaft machen!
Das ist der Zustand mit seinen Ursachen; hat die Schulverwaltung dieselben er-kannt und was hat sie zu ihrer Beseitigung gethan? was hat sie thun können? Der ^Warnungen gegen Überanstrengung, gegen Ausdehnung der häuslichen Arbeiten, gegeneinseitige Ansprüche in den einzelnen Schulwissenschaften hat die preußische Unterrichts-verwaltung von dem schon erwähnten Erlaß vom 24. Oktober 1837 an bis in dieneueste Zeit genug erlassen; allein was vermögen auf die Dauer pädagogische Mahnungen