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Ziel und Ausdruck vergreifen, aber selbst in dieser Unreife die Sehnsucht der Jugend nachErfassung und Verteidigung der höchsten Lebensgüter bekunden. Diese Sehnsucht also,mag sie auch hier und da zu anspruchsvoll Hervorbrechen, ist sicher nicht auf unserenSchulen und durch die Schuld derselben erstickt worden. Wenn indes auch nicht dieSchule die banausische oder weltlustige Gesinnung unter einem Teile ihrer Zöglinge ver-schuldet hat, so bleibt doch zu erwägen, ob sie nicht durch Veränderung der Unterrichts-wege und der Unterrichtsforderungen kräftiger als bisher dem üblen Einflüsse der Um-gebung begegnen können.
Ziehen wir das Ergebnis unserer Prüfung, so hat sich der größere Teil der Klageals unbegründet, mindestens als sehr übertrieben herausgestellt; noch weniger ist der ur-sächliche Zusammenhang der Beschwerdepunkte mit dem Einfluß der Schule und der aufihnen angeblich herrschenden Überbürdung erwiesen. So viel bleibt aber, daß ein Teilunserer Gymnasial- und Realschüler der körperlichen Frische, der geistigen Spannkraft,der frohen und nachhaltigen Hingabe an die künstlerischen und sittlichen Ideale, wennauch nicht in argem Grade und vielleicht nicht viel mehr als früher, so doch stärker er-mangelt, als unsere Liebe zu dem nachwachsenden Geschlecht dulden möchte, und daßdieser Übelstand unseren Schuleinrichtungen nicht völlig fremd zu sein scheint, also durckÄnderungen derselben wenn nicht beseitigt, so doch gemildert werden mag. Üm zu diesemZiele zu gelangen, sind die Ursachen des bezeichneten und nunmehr genau umgrenztenMangels, soweit sie eben unseren höheren Schulen entstammen, möglichst klar zu legen.
Wo es freilich unseren Schülern an körperlicher Frische gebricht, da ist dies inerster Linie nicht einer Steigerung der Schulforderungen zuzuschreiben; denn wie schonangedeutet, ist die Masse der schriftlichen Hausarbeiten gegen die frühere Zeit verringert,die Zahl der Schulstunden mindestens nicht vermehrt. Unverständige Ansprüche einzelnerLehrer, welche übrigens bei der gehobenen technischen Vorbildung des Lehrerstandes jetztseltener Vorkommen, sind durch den Direktor und die Aufsichtsbehörde abzustellen und ge-hören jedenfalls nicht zur Schulordnung. Sondern jener körperliche Mangel trifft be-sonders die aus den ärmeren Bevölkerungsklassen unerwünscht zudringenden Schüler, welchevon Hause aus nicht eben reichlich ernährt, nunmehr bei der Mittellosigkeit der Väterin ärmlichen Pensionen untergebracht werden und sowol der gesunden Wohnung als derfür die Jugend besonders zuträglichen kräftigen Kost entbehren müssen. Daß dem so ist,wird jeder aufmerksame Direktor, jeder Schulrat bezeugen, welcher bei seinen Besichtigungenauch die Wohnungen auswärtiger Schüler besucht. Wie jener unbefugte Zudrang abzu-wehren sei, ist eine schwerer zu beantwortende Frage; auch soll ja nicht geleugnet werden,daß unter den ärmeren Schülern sich häufig wie begabte und fleißige so körperlich kräftigefinden. Gleichwol ist es Aufgabe der Schulbehörde, den Besuch der höheren Schulennicht übermäßig zu erleichtern, und ebenso Aufgabe der Direktoren, bei der Aufnahmeneuer Schüler streng zu verfahren und nicht etwa durch ungebürliche Steigerung derSchülerzahl den Ruf ihrer Anstalt erhöhen zu wollen. Bei anderen Schülern der oberenKlassen ist aber das bleiche und zum Teil schläfrige Aussehen dem frühen Rauchen, demverbotenen Biertrinken, der vorzeitigen Nachäffung studentischer Unsitte beizumessen; ansdie Verderblichkeit der Schülerverbindungen ist schon hingewiesen. Daß unter so üblerGewohnheit das Auge, die Verdauung, die Nerven, somit das Gesamtaussehen leiden undmit der körperlichen Gesundheit auch die geistige Frische schwinden muß, daß so gestörteNerven Mismut, Arbeitsunlust und Denkträgheit zur Folge haben, auch den schlaffe»Geist von der Anschauung der Ideen zu läppischem Spiel und selbstsüchtiger Betrachtungdes eigenen Befindens herabziehen, ist nicht wunderbar. Mit der Überbürdung hat aberdieser Zustand nur insofern zu thun, als die derart geschwächte und zerstreute Kraftallerdings selbst mäßigen Schulforderungen nicht gewachsen ist. Um kein Misverständniszu erregen, füge ich hinzu, daß die eben gerügten Unsitten, bis auf das leider stark ver-breitete Rauchen, nur die Ausnahme, nicht die Regel unter unseren Schülern bilden.