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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
Seite
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528 Nberbiirdung.

wegen seiner Verwendbarkeit und bei der Bedeutung der Naturwissenschaften in derGegenwart unbedingt zu erweitern sei. Diese Forderung geschieht in der Regel ohneKenntnis der inneren Umgestaltung, welche der mathematische Gymnasialunterricht seit3040 Jahren erfahren und durch welche er, namentlich in der gegenseitigen Beziehungder darstellenden und der rechnenden Gebiete, an Zusammenhang, Verständnis und Bildungs-kraft erheblich gewonnen; auch ohne Klarheit über Maß und Art dessen, was aus denNaturwissenschaften aufzunehmen sei, da die einen, soweit ihnen nämlich Sachkenntnis zu-steht, auf die mathematische Begründung der Naturgesetze, die anderen auf ihre experimen-telle Darstellung das Hauptgewicht legen, die meisten sich mit der allgemeinen Begeisterungüber die großen Fortschritte auf diesem Gebiete begnügen, was denn freilich die elektrischeBeleuchtung und das Telephon vor aller Augen und Ohren bezeugen.

Lassen wir uns indes durch die Stärke und Zudringlichkeit dieser Zumutungen nichtvoreilig bestimmen und stellen wir zunächst den Thatbestand fest, um zu einer sicherenGrundlage für unsere Untersuchung zu gelangen! Dies ist nicht so leicht, da selbst nachärztlicher Annahme die bisherigen Beobachtungen nach Summe und Umkreis nicht aus-reichen, um die Ausdehnung des Übels zu ermessen, noch weniger aber um, wenn das-selbe vorhanden ist, seine Ursachen zwischen der Schule und den übrigen Lebensmächtengerecht zu verteilen.

Daß im allgemeinen die körperliche Kraft und Gesundheit des Heranwachsenden Ge-schlechts, soweit sich dasselbe in den höheren Schulen darstellt, jetzt geringer sei als früher(bekanntlich eine schon von Homer für seine Zeit erhobene Klage), ist vor fünfzig Jahren vonLorinser ebenso zuversichtlich behauptet, wie heute; schon diese Zusammenstellung solltegegen den Grund der Klage mistrauisch machen, und in Wahrheit läßt sich dieselbe auchgar nicht aufrecht erhalten. Die Statistik weist eine steigende Erhöhung der durchschnitt-lichen Lebensdauer nach; das Verhältnis der wirklich in das Heer eingestellten Freiwilligen,welche doch überwiegend aus den höheren Schulen hcrvorgehen, zu der Summe der mitBerechtigungsscheinen versehenen ist keineswegs ungünstig *); die Leistungen unseres Heeres,nicht bloß nach Tapferkeit und technischer Ausbildung, sonvern in Marschtüchtigkeit undAusdauer sind größer als früher. Dazu verwendet unsere heutige Schulverwaltung aufHerstellung gesunder Schulräume, guter Heizung, Beleuchtung, Lufterneuerung, allesDinge, um welche unsere Väter sich nicht kümmerten, eine fast übertriebene Sorgfalt;die Summe der schriftlichen Hausarbeiten hat sich erheblich vermindert; die mathematischeund geschichtliche Heftschreiberei und die schriftlichen Übersetzungen aus fremden Sprachensind fast ganz fortgefallen. Kurz, es erhellt schon, daß die behauptete Abnahme derKörperkraft weder durch die Thatsachen erhärtet wird, noch durch die höheren Schulenverursacht sein kann; letzteres gilt sogar von der angeblichen Zunahme der Kurzsichtigkeit.Denn daß dieselbe von den unteren Klassen nach den oberen wachse, wie ärztlicherseits be-hauptet wird, mag vielleicht richtig sein; daß aber dieses Wachstum auf Rechnung derSchule und nicht vielmehr anderer Ursachen, etwa der Ererbung und der häuslichenLebensweise zu setzen sei, ist noch nicht ermittelt und kann auch ohne die genauesten undlange fortgesetzten Untersuchungen gar nicht ermittelt werden **). Es wäre aber sehr auf-fällig, wenn bei der vorerwähnten Sorgfalt der Schulverwaltung der Grund der größerenKurzsichtigkeit in der Schuleinrichtung liegen sollte. Unzweifelhaft zeigt ein Teil derZöglinge in unseren höheren Schulen nicht das gesunde und frische Aussehen, welches beider Jugend sonst so natürlich und erfreulich ist; ob jetzt mehr als früher, ist nicht soleicht zu sagen, erklärt sich aber, wenn dem so sein sollte, aus später zu beleuchtendenUrsachen, welche mit dem Maße der Schulforderungen in keinem Zusammenhänge stehen.Daß die Kinder aus manchen Arbeiterklassen, namentlich aus der Fabrikbevölkerung an

*) Centralblatt a. a. O. S. 226 .

**) Die im Centralblatt a. a. O. S. 237 angeführte Thatsache, daß in Frankreich, Eng-land, Nordamerika die Zahl der Kurzsichtigen nicht eben geringer, wenn auch der Gebrauch derBrille seltener sei, fällt bei den abweichenden Schulordnungen jener Länder sehr ins Gewicht-