526 Überbürdung.
lesen: „Der erste Geschichtsunterricht wird sich auf die Lebensgeschichte berühmter Menschenaus der Vorzeit beschränken — zuerst also biblische Geschichte. Der Lehrer bereite sich
vor unv erzähle frei, ohne Buch, er lasse dann die Kinder widererzählen. Er lasse die
Geschichte der Griechen und Römer folgen, aber auch hier nur die Lebensgeschichte einzelnerberühmter Männer" u. s. f.
Türks Interesse für die Schule und ihre Arbeit war trotz seiner Energie doch nurein mittelbares. Er hatte mit den edleren Philanthropen Salzinann und von Rochowdas lebendige Interesse für die Leiden des niederen Volkes gemein und teilte deren Irrtum,es liege in der Veredelung desselben durch besseren Unterricht ein ausreichendes Mittel
zur Heilung der Schäden. Seine ersten Mannesjahre fallen in die Zeit, wo sich in der
gemeinsamen Sorge für die leidende Menschheit noch die verschiedenartigsten Männer be-gegneten, wo die entgegengesetzten Anschauungen noch durchaus nicht in ihrer jetzigen Schärfesich gesondert hatten. Er selbst war am wenigsten der Mann für solche Klärung undScheidung. Während er aber noch seinem Amte oblag, vollzog sich die Trennung derevangelischen und der sogenannten humanen Weltanschauung; der liberale Absolutismuswurde seiner Jrrtümer und Widerspräche überführt. Neue Begriffe vom Volk, vomRecht, von der Liebe machten sich geltend, und der alternde Mann trat verstimmt vomöffentlichen Leben ab, um in der Stille als der letzte Philanthrop die Stiftungen zupflegen, deren Erbe nun die neue Zeit angetreten hat. Eine freundliche Fügung ließ ihnden heftigen Zusammenstoß der Gegensätze, die er sich so gern leugnete, nicht mehr er-leben. Er starb am 36. Juni 1846. Vgl. noch Prutz: Deutsches Museum 1859:Aus dem Leben eines Menschenfreundes. Ur. Schneider (Berlin).
u.
Übcrbürdung. Llttcratur: Wiese, Pädagogische Ideale und Proteste, Berlin1884. K. Hillebrand, Halbbildung und Gymnasialreform, in seinen Zeiten, Völkerund Menschen, Bd. VI, S. 362—400, Berlin 1882. O. Jäger, Aus der Praxis,2. Ausl., Wiesbaden 1885. W. Schräder, Die Verfassung der höheren Schulen,2. Ausl., Berlin 1881 Z 1—18 und die daselbst S. 2 Anm. angeführten Schriften.Denkschrift, betr. die Frage der Überbürdung der Jugend an unfern höheren Schulen,und Gutachten der preußischen wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen,betr. die Überbürdung der Schüler in den höheren Lehranstalten, beides in dem Ceutral-blatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen, 1884, S. 202—255. Hering,Die Überbürdungsfrage und eine einheitliche höhere Schule, Leipzig 1886.
Die Klage, daß unsexe Jugend in den höheren Schulen und vor allem in denGymnasien mit Arbeit überladen, die Unterrichtsforderungen zu hochgespannt, das Maßder häuslichen Arbeit ungebürlich gesteigert werde und daß hierunter ihr Geist undKörper, ihre Thatkraft und ihr Frohsinn leide, ist nicht neu. Sie drückte sich schon vorfünfzig Jahren mit besonderer Schärfe in dem Angriffe des vr. Lorinser, eines Arztes,auf unsere Gymnasien aus und rief damals in der pädagogischen Welt eine lebhafte Be-wegung hervor, welche im wesentlichen den Ungrund der Beschwerde nachwies und auchin dem wichtigen Erlasse des preußischen Ministeriums vom 24. Oktober 1837 zwarzur Warnung gegen gewisse didaktische Misgriffe, sonst aber zur Bestätigung der bestehendenUnterrichtsordnungen führte. Jener Klageruf war keineswegs der früheste; bereits 1777hatte der um das preußische Unterrichtswesen hochverdiente Minister von Zedlitz die un-genügende Wirksamkeit der Schulen aus der Masse des Wissenstoffs erklärt, welchendie Jugend nicht aufzunehmeu vermöge; ja, zweihundert Jahre vorher warnt die kur-sächsische Schulordnung von 1580 vor Häufung des Lehrstoffs*), und wem diese Vor-
*) Über beide Fälle vgl. Wiese a. a. O- S. 9 und 38.