Türk.
525
ihnen: Leitfaden zum Unterricht in der Formen- und Größenlehre,erlebte 5 Auflagen und wurde in englifcher Übertragung in die Seminarien und Schulenvon Mafsachusets eingeführt. Nicht minderes Glück machte seine Bearbeitung vonRochows Kinderfreund, welche 1838 in sechster Auflage erschien. Drei Schriftengiengen den Seidenbau an, eine von ihnen, die vollständige Anleitung (Leipzig 1829,8. Aufl.), wurde ins Englische und ins Dänische übertragen. Die übrigen Schriften be-ttafen Wolthäter und Wolthätigkeit. Die Ansichten und Erfahrungen überErziehung und Unterricht, Berlin 1838, geben wol die Summe der früherenArbeiten. In einigen seiner Bücher hat Türk Beiträge zu feiner Selbstbiographie gegeben.Sie ist nach seinem Tode von seinen Angehörigen herausgegeben worden. Potsdam 1859.
Trotz dieser widerholten und sehr ausführlichen Darstellungen seiner pädagogischenAnsichten dürfte es doch schwer sein, eine Skizze derselben zu geben, und wir haben einesolche selbst bei seinen Freunden vergeblich gesucht. Türk war vielseitig, aber nichteigentlich wissenschaftlich gebildet, ein feiner Beobachter, aber kein produktiver Denker; ertraf das Richtige in Wort und That, aber er hatte keinen systematischen Geist. So ar-beitete er in der Zeit und für die Zeit, in der er stand, und wirkte dadurch über die-selbe hinaus, aber er zeichnete ihr keine neuen Bahnen vor und von all seinen Büchernsind streng genommen jetzt nur noch die Briefe aus München-Buchsee und seine kleineSelbstbiographie von Bedeutung. Es hängt dies auch mit der Manier seiner Schrift-stellerei zusammen, die mit größerer Liebe bei der Kritik der vergangenen Dinge, bei derWarnung vor neu einbrechenden Jrrtümern als bei der Darstellung des Richtigen ver-weilt. Übrigens war Türk, wie sich aus seiner ganzen Eigenart ergiebt, keineswegs An-hänger einer bestimmten Methode; er stand bei aller Verehrung für Pestalozzi doch alsLehrer den Philanthropen und ihren Nachfolgern näher als ihm, wahrte sich aber auchdort seine Freiheit.
Wie klar er sah, wie richtig er urteilte, ergiebt sich aus wenigen Beispielen. Esist schon oben gesagt, daß er sehr bald durch den hier und da ersichtlichen Mangel anWahrhaftigkeit in der Leitung der Anstalt zu Uverdun zurückgestoßen wurde. Er brachtesich auch theoretische Gegensätze gegen Pestalozzi zum Bewußtsein. So lesen wir inseinen Erfahrungen und Ansichten (S. 205): „Unter mehreren Ansichten, nach denen derUnterricht in der Anstalt zu Averdun gMlet wurde, waren es vorzüglich zwei, mit denendie meinigen nicht übereinstimmten. Erstlich: Jeder Schüler oder Lehrling der Methode,der einen Schritt vorwärts gethan hat, kann einem anderen nachhelfen, der diesen Schrittnoch nicht gethan hat, und so, wenn man sich den Gang des Unterrichtes durch eineLeiter dargestellt denkt, wird immer der, der auf einer oberen Stufe steht, den, der aufder nächstvorhergehenden Stufe sich befindet, zu unterrichten vermögen.
Dagegen war meine Meinung, daß, wer mit Erfolg unterrichten will, das Ziel, zudem er die Schüler führen will, kennen und den Weg, um dahin zu gelangen, sollteüberschauen können.
Die zweite Ansicht war die:
Daß jedem Lehrer vollkommene Freiheit gelassen werden müsse, in dem Unterrichts-fache, das ihm anvertraut sei, nach seiner besten Überzeugung zu verfahren; wogegen ichder Meinung war und noch bin, daß in einer Unterrichtsanstalt von mehreren Klassenfür jede Klasse und für jeden Zeitraum ein Anfangs- und ein Endpunkt bestimmt seinmuß, bis wohin die Schüler in der gegebenen Zeit gelangen sollen, damit sie nachherin eine folgende Klasse übergehen können, die da anfängt, wo jene aufgehört hat."
Die Regierungsbezirke Frankfurt und Potsdam sind ihm zu Dank verpflichtet, daßer schlechte, nicht lebensfähige lateinische Schulen in Mittelschulen umgebildet hat, unddenselben Dank sagen ihm wol Väter, welche seinen beredten Warnehmungen nachgebenddie Söhne, die nicht studieren sollten, nicht erst auf das Gymnasium gebracht haben (Erf.und.Ans. S. 176). Dieselbe Erkenntnis der richtigen Wege finden wir in der Special-methodik; so sind wir gewiß angenehm überrascht, in einem 1838 erschienenen Buche zu