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9 (1887) Spanien - Vives
Entstehung
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Türk.

der später den Inhalt seines Lebens ausgemacht hat. Unterrichtet wurde Türk in Ge-meinschaft mit seinem Vetter durch einen Privatlehrer; von Natur kränklich, sah er sichauf das Studium gewiesen und erfaßte dasselbe mit Eifer und großer SelbständigkeitLehrgegenstände, in denen er keine Stunden hatte, trieb er für sich allein. Als ihmeinmal der Lehrerin der Mechanik" sagte, daß ein Kammrad immer durch ein Kammradgetrieben werden müsse, wagte erwiewol furchtsam und sehr bescheiden" Widerspruch.Eine derbe Ohrfeige war die Strafe" so erzählt er selbstmeiner naseweisenBemerkung. Sie kränkte mich tief. Sobald ich einige Muße hatte, machte ich einKamm- und ein Kronrad von Kartenblättern, befestigte sie an Wellen von Holz undzeigte nun meinem Lehrer die Richtigkeit meiner Vermutung."

Im Alter von 17 Jahren bezog Türk die Universität Jena; es ist interessant, zulesen, daß er keinen römischen Dichter kannte, weder griechisch gelernt hatte, noch Mathe-matik verstand. Er hat fünf Semester studiert und dann in seiner Heimat Meiningendas Staatsexamen als Jurist abgelegt und wol bestanden, aber keine Anstellung gefunden,weil sein Vater Präses des einen, sein Bruder Mitglied des anderen der beiden Landes-kollegien war. Dadurch entstand große Verlegenheit, umsomehr als die Mittel der Familienicht dazu ausreichten, den jungen Türk, wie man es wünschte, in Hamburg die Handlunglernen zu lassen. Aus dieser Not rettete ihn seine Geschicklichkeit im L'hombrespiel; durchdieses nämlich gewann er sich die Gunst des besuchsweise in Meiningen anwesendenPrinzen Karl von Mecklenburg-Strelitz wenige Tage vor dessen unerwartet erfolgendemRegierungsantritt. Türk erhielt unter dem 4. Juni 1794 eine vorläufige Bestallungals Auditor der Justizkanzlei und Kammerjunker,wie denn an den kleinen Höfen Hof-und Staatsämter immer verbunden zu sein pflegen."

Die Lebensverhältnisse waren gar eigentümlich; so gehörte es zu seinen Obliegen-heiten,jeden Abend drei Stunden lang Whist zu spielen," und er hat das elf Jahrelang ausgehalten. Daß er unter den sehr heterogenen, zum Teil abspanncnden Amts-pflichten Zeit fand, die englische Sprache zu erlernen und sich in der Naturkunde gründ-liche Kenntnisse anzueignen, macht ihm gewiß Ehre; größere Ehre aber macht ihm jeden-falls das offene Auge und das warme Herz für die Leidendes gemeinen Mannes",dessen sittlicher und religiöser Bildung sich nach besten Kräften anzunehmen, sein ernsterVorsatz wurde.

Die Gelegenheit dazu wurde ihm, da er im Jahre 1801 zu seinen bisherigenPflichten noch das Referat in Schulsachen erhielt. Die erste Schulrevision, welche erunternahm, führte ihn zuin erstenmal in seinem Leben in das Innere einer Schulstube,da er selbst nur privatim unterrichtet worden war. Er hatte großes Miß-fallen an dem Treiben des Schullehrers.Es war ein mechanisches Abrichten, wobei

Lehrer und Kinder zu bedauern waren." Als ihm aber der erstere, dem er seine Un-

zufriedenheit zu erkennen gab, erwiderte, er möge es ihm nur sagen, wie es besser zumachen sei, da stand der junge Schulrat natürlich ratlos da. Der Rat zweier tüchtigerSchulmänner, Visbecks (über dessen Anteil an der Einrichtung des Seminars zu Mirowdie Geschichte dieser Anstalt von Beckström, 1870, Nachricht giebt) und Gerlings, eigenesStudium und Reisen machten aber bald aus dem Justizkanzleirat einen firmen Schul-mann. Schon im Jahre 1804 erschien die seiner Zeit epochemachende Schrift:Über zweck-mäßige Einrichtung der öffentlichen Schul- und Unterrichtsanstalten als eines der wirksamstenBeförderungsmittel einer wesentlichen Verbesserung der niederen Volksklassen mit vorzüg-licher Rücksicht auf Mecklenburg." Sie trägt das Motte: nicht mir, sondern denBrüdern! Mit rücksichtslosem Freimut deckt er die Schäden der damaligen Verwaltungauf.Elende, enge, niedrige Schulzimmer, denn nicht selten ist das Haus des Schul-meisters das schlechteste im Dorfe, eine verdorbene, verpestete Luft, der höchste Grad derUnreinlichkeit, der nicht selten dadurch, daß die Schulstube zugleich Wohnzimmer, Werk-stätte und Stall für das Federvieh ist, herbeigeführt wird. Unwissende, ungesittete , un-reinliche Schulmeister, welche die Schule als einen notwendigen Nebenbehelf, die Betreibung