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9 (1887) Spanien - Vives
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Turnlehrer.

dabei in Betracht kommenden Bänder und Knorpel; b) Übersicht des .willkürlichen Muskel-systems und klare Anschauung von der Lage und von der Wirksamkeit der einzelnen zurwillkürlichen Bewegung des Stammes und der Gliedmaßen dienenden Muskeln; e) all-gemeine Kenntnis vom Bau, von der Lage und den Funktionen der Brust- und Unter-leibsorgane ; cl)' das allgemeinste von der Einrichtung und von der Funktion des Nerven-systems; s) allgemeine Gesundheitslehre oder Diätetik; k) Krankheitslehre, insoweit sie,den Turnlehrer befähigt, die gewöhnlichen Fälle, welche beschränkend, abändernd oder ver-hindernd auf die volle allseitige Anwendung der gymnastischen Bildungsmittel einwirkenunterscheiden zu können. L) auf Turnlehre und Turnkunst, und zwar auf a) Zweckund Geschichte der Gymnastik und deren Verhältnis zur Erziehung; b) Litteratur undMethodik der Gymnastik, insbesondere Kenntnis von der neueren Entwickelung des Turn-wesens durch die Systeme von Spieß und Ling; o) deutliche Vorstellung vom Zweck und vonden physiologischen Wirkungen der hauptsächlichsten Bewegungsformen." Dieselben For-derungen findet man wider in den Reglements, welche in der Folge von mehreren deutschenRegierungen in betreff der Turnlehrerprüfung erlassen wurden; z. B. von der württem-bergischen Regierung imStatut der Turnlehrerbildungsanstalt zu Stuttgart" (1863),vom preußischen Unterrichtsministerium in demReglement für die Turnlehrerprüfungen"(1866) und vom österreichischen Unterrichtsministerium in derVerordnung über diePrüfungen der Kandidaten für das Lehramt des Turnens an Mittelschulen und Lehrer-bildungsanstalten (1876)."

Auf diesen Grundlagen dürfte sich auch für die Folge die Turnlehrerbildung all-gemeiner fortentwickeln. Für das Gedeihen des Turnens liegt der Schwerpunkt allerdingsin der Heranziehung des rechten Turnlehrergeschlechtes. Die bereits bestehenden Turn-lehrerseminare in Berlin, Dresden, Stuttgart und Karlsruhe suchen dem Bedürfnisse durchAbhaltung von Lehrkursen zu entsprechen, die meist auf die Zeit von sechs Monaten fürdas ganze Gebiet der pädagogischen Turnlehre berechnet sind, während inan mit Nachhilfe-kursen von 46 Wochen die Turnlehrerbildung solcher zu fördern sucht, die schon einigeBekanntschaft mit dem Turnen besitzen und eine systematische Behandlung dieses Unter-richtszweiges in gedrängter Kürze kennen lernen wollen.

Ein Blick auf die Stellung der Turnlehrer in der Gegenwart zeigt schon ein vielerfreulicheres Bild als früher. Lange Zeit blieb es dem Zufalle überlassen: ob sich fürdie Turnlehrerstellen die geeigneten Männer fanden. Meist waren es eifrige und geschickteTurner, welche die Liebe zur Sache dem Turnlehreramte zutrieb. Es wurde bei diesenLeuten nicht gefragt: ob sie pädagogische oder wissenschaftliche Vorbildung besaßen, wennsie nur die Technik der Turnübungen beherrschten und mit der Jugend auszukommen im-stande waren. Auf solche Weise kamen Leute aus allen Berufsarten zum Turnlehrer-fach, hin und wider wol auch manche, welche dasselbe nur als Notanker für ein verfehltesLebensziel ergriffen. Obschon anerkannt werden muß, daß sich unter diesen Fachturn-lehrern auch recht geschickte Männer vorfanden, die oft eine ersprießliche Wirksamkeit alsTurnlehrer entwickelten, so machte sich doch bald die Forderung geltend, den Turnunter-richt in die Hände von Lehrern an den Schulen selbst zu legen. Denn soll das Turnenwahrhaft gedeihen, so müssen die Turnlehrer auch sonst in das Ganze des Unterrichtsund der Erziehung eingreifen, teils um vor Einseitigkeit bewahrt zu bleiben, teils umbei den Schülern in größerem Ansehen zu stehen. Schon Pestalozzi verwarf einseitigeMeister der Gymnastik. Je mehr das Turnen dem durch und durch geistigen Unterrichteentgegengesetzt ist, desto nötiger ist jene Forderung, welcher auch noch äußere Gründe zurSeite stehen, indem durch die Verbindung des Turnlehreramtes mit dem Lehramte erstein auskömmliches Gehalt zu ermöglichen ist. Denn es bleibt wichtig, daß die Turnlehrernicht bloß für das Turnlehreramt gebildet, sondern auch dafür besoldet werden. Warein Lehrer imstande, an einer Anstalt z. B. 12 Turnstunden und 12 Lehrstunden zuübernehmen, so konnte dafür auch ein Gehalt von 5600 Thalern mindestens gebotenwerden. In ähnlicher Weise sind denn auch neuerdings die Verhältnisse der Turnlehrer