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9 (1887) Spanien - Vives
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Turnlehrer.

(s. Lange: Leibesübungen Bd. IV. S. 554 dieses Werkes). Es scheint, daß diese alt-griechischen Turnlehrer meist aus der Zahl der Athleten Hervorgiengen, welche die eigeneFertigkeit in den Leibesübungen mitbrachten, sich das erforderliche Unterrichtsgeschick er-warben und zuletzt förmlich Theoretiker wurden, deren sachverständiges Urteil sich auchauf das diätetische Verhalten der Gesunden überhaupt, selbst auf Speisen und Trank,bezog. Allem Anscheine nach ergänzten die Gymnasien ihre Kenntnisse an der Hand derErfahrung und durch die Winke der Ärzte.

Fast denselben Gang hat auch die Turnlehrerbildung in der Neuzeit genommen.Offenbar muß man in Gutsmuths den ersten deutschen Turnlehrer erkennen, der ganzdazu angethan war, für die Folge als Muster und Beispiel zu gelten. Gutsmuths(s. d. Art.) wurde nicht bloß epochemachend für Ausbildung und Verbreitung der Gym-nastik, sondern auch für die Turnlehrerbildung. Ausgestattet mit reicher wissenschaftlicherBildung und erzieherischer Begabung, verband er hiermit eine genaue Kenntnis der an-tiken Gymnastik und desjenigen, was damit theoretisch und praktisch aus dem Gebiete derLeibesübungen der Neuzeit im Interesse der Erziehung zu verbinden war. Mit dem vonGutsmuths bis ins einzelnste ausgearbeiteten Systeme der Turnkunst war zunächst das-jenige angezeigt, was der moderne Turnlehrer außer seinen wissenschaftlichen und morali-schen Fähigkeiten für seine specielle Fachthätigkeit praktisch und theoretisch zu beherrschenhabe. Jahn, der Nachfolger von Gutsmuths, der selber von diesem sagte:dankbardenken wir an unsere Vorarbeiter Vieth und Gutsmuths," war als Turnlehrer offenbaranders geartet als Gutsmuths. Dieser fand seinen Beruf in der stillen Sphäre desSchulbezirks, jener wirkte als öffentlicher Turnlehrer auf deutsch-nationaler Grundlagenamentlich durch Zusammenfassung und Beherrschung der Massen. Beide aber stimmtenin der Forderung überein, daß der Turnlehrer ein Erzieher sein müsse, der mit Hilfeseiner Kunst die Entwickelung des leiblichen Menschen im Zusammenhänge mit seinengeistigen und moralischen Zielen zu fördern habe, wie auch Pestalozzi nicht sogenannteGymnastiker als Turnlehrer haben wollte, sondern Lehrer, welche eine Einsicht in die Ent-faltung und Zusammenhang des menschlichen Organismus habenals psychologischeEntfalter der Menschennatur." Es ist nicht bekannt geworden, ob Gutsmuths außerdurch seine Schriften für die Ausbildung von Turnlehrern unmittelbar gewirkt hat. VonJahn weiß man bestimmt, daß er eifrigst bemüht war,die größeren und herangereifteren,vom Turnwesen besonders ergriffenen" seiner Schüler für das Turnlehreramt zu gewinnenund für Leitung von Turnanstalten zu empfehlen. Das KapitelTurnlehrer" S. 215seinerdeutschen Turnkunst" stellt schon ganz ansehnliche Anforderungen zusammen, dievom erzieherisch-turnerischen Standpunkte aus an den Turnlehrer zu stellen sind:DerTurnlehrer muß vor allen Dingen bemüht sein, sich in den Turnübungen so viel Fertig-keit zu erwerben und zu erhalten als seine Leibesbeschaffenheit erlaubt. Nur eigenesSelbstversuchthaben und Erproben geben ihm einen deutlichen und klaren Begriff von dereinzelnen Bewegung und Übung und von den Wirkungen, so sie Hervorbringen. Gehtihm auch die Erwerbung einzelner Turnfertigkeiten nicht von statten, so muß er doch inalle Teile der Turnkunst eindringen und in den Geist des Turnwesens." Mitdiesen Worten bestimmt Jahn die technische Fachbildung des Turnlehrers. Da für Jahnund seine Zeit das Turnen vorwiegend ein deutsch-nationales Entwickelungsmoment war,so erklärt sich hier die Betonung des Eindringens in den Gei st des Turnwesens, währendsich die eigentliche Turnlehrerbildung etwa mit Aneignung eines methodischen Verfahrensbeim Vorturnen so nebenbei von selber machte. Mehr als Jahn war sein MitlehrerEiselen mit Erfolg bemüht, namentlich nach aufgehobener Turnsperre mit technischer,fast wissenschaftlicher Gründlichkeit die Ausbildung von Turnlehrern zu fördern. Zugleicher Zeit mit Eiselen (1839) war Werner in Dessau in seiner bekannten Weise fürTurnlehrerausbildung thätig. Doch scheint der Gang dieser Ausbildung noch einfach undempirischer Art gewesen zu sein. Auch als Spieß die Reform der deutschen Turnschuleheoretisch begonnen und diese Reformen in der Darmstädter Turnschule praktisch dargelegt