Tugend.
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Schularbeiten, auf Kleidung, der Rechtssinn in Bezug auf Mein und Dein, das Begehrenetwas Versprochenes auch zu leisten u. s. w. Ein Kind deshalb, weil es in solchen Dingenvielleicht kleinlich und ängstlich ist, zu verlachen oder zu schmähen oder ihm sein Pflicht-bewußtsein als Thorheit auszureden, das ist ein unverantwortlicher pädagogischer Frevel;wir sollten ja froh sein an jedem Anhaltspunkte für sittliche Bildung, den uns des Kindeseigene Natur darbietet.
Schließlich bleibt noch die Frage übrig: ob die Bildung der Tugend und zur Tugenddamit anzufangen habe, daß man zuerst den Mittelpunkt feststellt und von da aus dieeinzelnen Tugenden zu gewinnen, sie aus jener Wurzel zu entwickeln sucht, oder ob um-gelehrt eine Tugend nach der andern dem Kinde angebildet werden müsse, um als höchstesund letztes Ergebnis die Tugend, die Gesamtheit und Einheit aller zu erzielen? Demoben Gesagten gemäß würde auf letzterem Wege, dem einer mechanischen Zusammensetzung,das Ziel nie erreicht; Lebendiges inuß organisch entstehen, die Vielheit aus der Einheiterwachsen. „Nicht auf Tugenden hat es die Erziehung zur Thatkraft abzusehen, sondernauf die Tugend, d. h. auf Stärke und Fülle der sittlichen Lebenskraft innerhalb der sinn-lichen Schranken der Individualität." So lesen wir bei Grube, „Von der sittlichenBildung der Jugend" S. 117. Aber abgesehen davon, daß wir für den Tugendbegriffnicht bloß die Kategorie der Kraft, sondern zugleich die der Fertigkeit und des Bereit-seins in Anspruch nehmen, ist die Form der Aneignung auch des sittlich Guten für dasKind immer die Synthese, nicht die Analyse; der Mann stellt sich mit Denken und Wollenin einen Mittelpunkt und zieht von da aus seine Peripherie und seine Radien, dem Kindegegenüber gilt, wie seit Pestalozzi ja ein pädagogisches Dogma lautet, das Elementieren.Der Erzieher weiß und muß wissen, daß, indem er das Kind eine Tugend lehrt, durchWort, Beispiel oder Gewöhnung, in dieser einzelnen Tugend die ganze Tugend schon mit-gesetzt ist; aber das Kind weiß das noch nicht und soll und kann es noch nicht wissen,es lernt eine Tugend nach und neben der andern. Daß allem rechtschaffenen Handeln undaller Scheu vor dem Bösen ein sittlicher Grund innewohne, das vernimmt es seiner Zeitwol aus dem Katechismus. — Luther beginnt ja jede Erklärung eines Gebotes im Deka-log mit den Worten: wir sollen Gott fürchten und lieben — aber daß nun diese Gottes-furcht und Gottesliebe auch fordert, daß man nicht lüge, daß man sich nach des Kame-raden Taschenmesser und nach des Nachbars Äpfeln nicht gelüsten lasse, das entwickeltsich für des Kindes Bewußtsein niemals von selber aus deren Begriff oder deren innerenWirkung der Gottesfurcht und Gottesliebe, so wenig als ein Kind von selbst daran denkt,daß die Liebe, die es zu seiner Mutter hegt, ihm verbiete, ein anderes Kind zu schlagen,ja so wenig als es auch nur die innere Zusammengehörigkeit von Kindesliebe und Kindes-gehorsam selber entdeckt. Somit kommen wir doch auf den scheinbar paradoxen Satzzurück: Die Jugend kann man die Tugend nur lehren, indem man sie die Tugendenlehrt. Aber je mehr sich die Jugend dem Alter der Reife nähert, umsomehr ist es als-dann angezeigt, ihr ein stets klareres Bewußtsein von dem inneren Zusammenhang allerTugenden, von der ioealen Einheit derselben beizubringen und dadurch ihnen allen erstden festen Halt in ^ieist und Willen zu geben, dadurch jede einzelne auf eine höhere Stufeder Kraft und Reinheit zu erheben. Diese Einheit ist keine andere als die Frömmigkeit,MksSkl«,- keine Moral weiß irgend eine Tugend zu nennen, die nicht in ihr, in derreinen Gottesliebe ihren Ausgangspunkt, ihre tiefste Quelle, ihren eigentlichen Grundquellhätte. Palmer (Schräder).
Turnanstalt. Turnanstalt bezeichnet die Plätze mit Einrichtungen für die Zweckeder Leibesübung. Die einfachere oder vollständigere Einrichtung der Turnanstaltensteht in genauem Zusammenhänge mit der inneren Entwickelung und äußeren Verbreitungdes Turnens. Die erste deutsche Turnanstalt, welche Gutsmuths 1785 in Schnepfenthalbenutzte, bestand aus einem hübschen Platze am Rande eines Eichwäldchens, worauf ein-fache Hang-, Stemm-, Kletter- und Schwebebalken nebst Springvorrichtungen sich vor-fanden. Der Jahnsche Turnplatz auf der Hasenhaide bei Berlin (1810) zeichnete sich