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9 (1887) Spanien - Vives
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Tabakrauchcn.

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Tabakrauchen. Ohne über die Gewohnheit des Rauchens, ihre Ursachen undVerbreitung, ihren körperlichen, sittlichen, wirtschaftlichen Einfluß im allgemeinen zusprechen, haben wir hier nur ihre Bedeutung für die Erziehung zu erörtern. Wir be-ginnen mit der Warnehmung, daß der Grund dieser Gewohnheit in der Regel schon inder Jugend gelegt wird: die Gefahr ihr zu verfallen reicht über das angehende Jünglings-alter bis in die Knabenzeit und tritt überwiegend für die höheren Schulen ein, ohne dockdie niederen, ja selbst die Volksschule ganz unberührt zu lassen. Denn eine Gefahr, ja einwesentlicher Schaden liegt in dieser Unsitte mindestens für die Jugend; wir haben alsodiesen Schaden aufzuzeigen und dann zu erwägen, wie demselben etwa zu steuern seinmöchte. *)

Bor allem stellen wir das Mittel und den Zweck des Rauchens fest. Der Tabakist eine offizinelle Pflanze, welche richtig angewendet manchem Übel zu steuern vermag; alssolche wurde sie von dem französischen Gesandten am portugiesischen Hofe, Jean Nicotde Villemain, der sie 1560 nach Europa verpflanzte und ihre botanische BenennungDrba blicotiana) veranlaßte, angesehen und auch von anderen gerühmt. Dieser ärztlicheNutzen des Tabaks tritt ein bei leiblicher oder geistiger Ermüdung, er wehrt in gewissemGrade und für kürzere Zeit Hunger, Durst und Schlaf ab und ist deshalb für denLoldaten im Felde von Wert. Allmählich ist aber dieser Hauptzweck, welcher doch fürdie Jugend überhaupt keinem Bedürfnis entspricht, ganz zurückgetreten; der Tabak istlediglich zu einem Genußmittel geworden, bei dessen Gebrauch sich Erregung und Herab-stimmung der Nerven auf eigentümliche Weise verbinden und ablösen. In dieser An-wendung ist das Rauchen von dem Genuß alkoholischer Getränke, des Opiums, des Mor-phiums zwar nach dem Grade seiner Wirkung und Schädlichkeit, aber nicht der Art nachoerschieden. Wie diese beseitigt es in mäßigem Genuß gewisse körperliche Übelstände; in demhierdurch erzeugten Wolgefühl und dem gleichzeitigen Nervenreiz liegt seine Anziehungskraft,welche leicht zur leiblichen und sittlichen Herrschaft über den Raucher führt und denselben,in dieser Unfreiheit schließlich wesentlich schädigt, wenn auch nicht, wie jene stärkeren Reiz-mittel, schlechthin zu Grunde richtet. Der Tabak wirkt also als ein Gift, in geringenund seltenen Gaben heilend und befreiend, in übermäßigem und stetigem Gebrauche ab-schwächend und fesselnd. Diese Wirkung tritt für alle gleichartig ein, woneben das Raucheneinzelne viel unmittelbarer und stärker angreift. Das Rauchen ist ferner unfein und störtden Verkehr mit den Frauen, deren sättigender Einfluß auf die Männerwelt nicht ab-zeschwächt werden sollte; es verursacht endlich nicht unerhebliche Ausgaben, welche besseraus edlere Zwecke zu verwenden wären.

Mögen alle diese "Nachteile nun von den Erwachsenen aus anderweitigen Gründenzetragen werden, so fallen doch diese Gründe und Antriebe, selbst soweit sie berechtigt»der wenigstens zulässig sind, für die Jugend schlechthin fort. Vielmehr treten hier zu-nächst und entscheidend schon die verderblichen Folgen für die Gesundheit hervor; ohneAusnahme sind die Ärzte darin einverstanden, daß durch das Tabakrauchen die Thätigkeitdes ohnehin leicht erregbaren jugendlichen Nervensystems herabgestimmt, die Verdauungzestört, die Sinne geschwächt, somit überhaupt die gesunde Entwickelung des jungen, nochim Wachstum begriffenen Körpers unterbrochen und beeinträchtigt wird. Nicht die Arbeits-last, sondern neben anderen schädlichen Gewohnheiten das Rauchen raubt vielen unsererGymnasiasten und Studenten die frische Röte der Wangen, welche doch die Jugend so

*) Vgl. I. W. Strebet, die Rauchhepe, alten und jungen Gliedern des Rauchordeus,Mderlich rauchenden Vätern, Lehrern und Geistlichen zur genaueren Betrachtung vorgeführt.- Ausl. Stuttgart, Metzler 1869 .